Move Your Life

Es gibt Weihnachtslieder, die versetzen einen sofort in Weihnachtsstimmung. „I´am driving home for Christmas” gehört für mich zweifellos dazu. Die Stimme von Chris Rea für sich allein (kennen Sie „Josephine“???) ist schon ein Highlight, aber in Kombination mit diesem Song ist gute Laune – zumindest bei mir – immer garantiert. Ich verbrachte vor zig Jahren Heiligabend mal auf der Autobahn und wie im Text beschrieben, ist es wirklich eine besondere Stimmung – mit den Weihnachtsbeleuchtungen in den Häusern, den vielen Erinnerungen an frühere Weihnachtsfeste, damit einhergehend eine gewisse Melancholie, weil man im Auto sitzt und nicht unterm Tannenbaum, das freundliche Einvernehmen mit den Fahrern im Nachbarauto – alles sieht anders aus, alles fühlt sich anders an.

Ein anderes Weihnachtslied, das mich zuverlässig in Hochstimmung versetzt, ist – wirklich! – „Last Christmas“ von „Wham!“ Ich weiß, viele von Ihnen können es nicht mehr hören. Während meine Kollegen im Zimmer genervt aufstöhnen, summe ich begeistert mit und vor meinem geistigen Auge sehe ich George Michael mit gebrochenem Herzen, wunderschön, in einer Postkartenschneelandschaft singen: „… This year I give it to someone special …“ (Jaja, I am special!!!), dideldideldum, Schlittenglöckchengeläut …

Mit diesem Lied verbinde ich ebenfalls ein sehr persönliches Vorweihnachtsgefühl: Vor 30 Jahren (dieses Jahr sind es wirklich genau 30!) schenkte mir meine beste Freundin die Schallplatten-Single einen Tag vor meinem Umzug in meine erste, eigene Wohnung (übrigens weil sie das Lied damals schon nicht mehr hören konnte … 🙂 ).

Ich sehe mich am ersten Abend nach dem Umzug auf dem Boden sitzend Kartons auspacken und erinnere mich, wie ausgekühlt die Wohnung war. Sie lag im Hochparterre, direkt über einem Durchgang zum Hof. Viele neue, unbekannte Geräusche machten mir ein wenig Angst. Und etwas verloren fühlte ich mich auch, so allein, obwohl ich mir genau das die ganze Zeit heiß ersehnt hatte. Es war ein eisiger Winter mit Temperaturen um minus 20 Grad, dazu Ofenheizung. Kennen Sie die Szene aus dem Film „Dr. Schiwago“, in der Jurij mit Lara in diesem kleinen Landhaus wohnt und die Fenster total vereist sind? Ungefähr so war mein Wohnfeeling. Mir war so kalt, dass ich mich entschloss, noch einmal zu heizen. Ich trat auf den Balkon, wo die Kohlen lagerten und … ich sah, dass es schneite! Einzelne Flocken rieselten herein. Durch die offene Tür hörte ich leise „Last Christmas“ und auf einmal war ich unglaublich glücklich – mit mir und meiner Wohnung, alles war ganz richtig so, wie es war. Gefühlte 100 Mal hörte ich an diesem Abend dieses Lied. Und alle Jahre wieder erinnere ich mich zur Weihnachtszeit daran und lasse die damals empfundene Freude in mir aufsteigen. Spielt man es nach meinem Geschmack zu selten im Radio, lege ich die CD ein und genieße (meine Familie hält das stoisch aus!).

Aber die perfekte Weihnachtsstimmung ist nichts ohne Keksgeruch nach Butter, Vanille und Zucker (der ist noch wichtiger als der Keks selbst!). Vorletztes Wochenende hab ich schon sechs Bleche voll gebacken. Dank meiner Familie ist nicht mehr viel davon übrig und ich darf bald nachlegen 😉 Nicht dass Sie jetzt denken, ich sei eine leidenschaftliche Keksbäckerin, die ihre Backwaren enthusiastisch mit fantasievollen Ornamenten verziert. Leider nein, ich hasse das! Einfach müssen meine Kekse sein, schnell gehen, wohlschmeckend sein: Zutaten zusammengeworfen, rauf auf´s Blech, gegessen.

Brauchen Sie so ein Rezept? Dann nehmen Sie dieses, es gelingt immer!

verschiedene-weihnachtskekse

 

Für eine gute Festtagsstimmung brauche ich auch einen (echten!) Weihnachtsbaum, schon allein deswegen, weil er so wunderbar riecht. Außerdem macht das Aussuchen schon (Vor)Freude. Ich finde, jeder Baum hat eine eigene Persönlichkeit und ich hab immer das Gefühl, wir hätten für eine gewisse Zeit einen lieben Gast im Haus. Meine Eltern waren aus Kostengründen sehr zeitig auf einen künstlichen Weihnachtsbaum umgestiegen, das fand ich so furchtbar!

Erstmalig gehe ich dieses Jahr mit meinem Sohn Yannik einen Weihnachtsbaum kaufen. Eigentlich wollte er allein losziehen, aber ich hatte Sorge, es ginge uns wie Familie Grisworld im Film „Schöne Bescherung“: Da ist der Weihnachtsbaum so riesig, dass beim Aufschneiden der Seile die Äste wie ein Katapult durch die geschlossenen Fenster schießen … Das wär mir nicht so recht. Daher ziehen wir dieses Jahr zusammen los, eine kleine Einführung kann ja nicht schaden.

Es ist schön zu sehen, wie unsere ehemals kleinen Kinder, die vor einigen Jahren (war es nicht erst gestern??) mit riesigen Augen unterm Weihnachtsbaum saßen, immer erwachsener werden. Jetzt wird Weihnachten nicht mehr für sie zelebriert, sondern wir feiern es zusammen. Sie managen den Weihnachtsbaumkauf und schmücken den Baum. Sie fühlen sich mit verantwortlich, dass es ein gelingendes Fest wird. Ein tolles Gefühl!

Ein bisschen besorgt war vor allem mein Mann, dass es dieses Jahr keine Pute zum Weihnachtsessen geben könnte. Traditionell gibt es bei uns am ersten Weihnachtsfeiertag unser Festmenü mit Pute, Rotkohl, Grünkohl, Kartoffeln und Klößen. Das volle Programm eben! Zum Anfang dieses Jahres bin ich Vegetarierin geworden und obwohl meine Männer sehr pflegeleicht alles Vegetarische mitessen und auch recht begeistert sind, was man so zaubern kann, gehört zu ihrem Fest eben auch ein Weihnachtsbraten. Das ist auch absolut in Ordnung. Ich bin weder ein militanter Fleischgegner, noch werden Tränen des schmerzlichen Verzichts die Sauce versalzen.

In diesem Jahr gibt es zum ersten Mal keine ganze Pute, sondern nur Putenbrust. Statt „normaler“ Kartoffelklöße mache ich vielleicht einen „Kloßgugelhupf“ mit Pilzen gefüllt, der passt auch zum restlichen Essen. Sollten Vegetarier unter Ihnen sein und Sie ein besonders leckeres Gericht in petto haben, freue ich mich über Ihren Rezeptvorschlag. Ich bin noch nicht festgelegt 😉

Sie sehen, wie jedes Jahr gilt es, zwischen Tradition und Erneuerung, zwischen Erinnerung und Moderne, den richtigen Weg zu finden, damit sich alle wohlfühlen. Also eine ganz klare Sache von …

Move Your Life!

Foto: Shutterstock.com/Elena Shashkina

 

 

 

 

3 Kommentare
  1. Helmut Krost
    Helmut Krost sagte:

    Liebe Manuela,
    eine tolle Schilderung der vorweihnachtlichen Stimmungen. Ich wünsche Euch tolle weihnachtliche Tage.
    Helmut

  2. Helmut Krost
    Helmut Krost sagte:

    Liebe Manuela,
    noch ein kleiner Nachschlag: bei uns wird es dieses Jahr den 56. echten Weihnachtsbaum geben und nie hat einer eine elektrische Kerze gesehen !
    Geschmückt wird er seit vielen Jahren von unserem jüngeren Sohn. Euch ein frohes Fest
    Helmut

  3. Manuela Luther
    Manuela Luther sagte:

    Lieber Helmut,
    das ist wirklich ganz wunderschön – eure langjährige Familientradition UND die Liebe, die zu spüren ist. Herzliche Grüße und wunderschöne Weihnachten.
    Viele liebe Grüße,
    Manuela

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