Ist das nicht ein wunderschönes Zitat des Dichters Khalil Gibran? Kennen Sie ihn? Vielen bekannt wurde er durch sein Buch „Der Prophet“, ein philosophisches Grundlagenwerk zu den wichtigsten Themen des Lebens. Ich liebe dieses Buch und habe es schon sehr oft verschenkt. Für jede bedeutsame Lebensstation ist mir ein anderes Zitat von Bedeutung.

Als ich mich heute Morgen für die Arbeit fertig machte, wäre ich am liebsten ins Bett zurückgekrochen. Ich hatte irgendwie gar keine Lust. Stattdessen erinnerte ich mich das oben genannte Buch und schlug im Kapitel „Von der Arbeit“ nach, dessen letzter Absatz mich immer wieder packt:

… „Arbeit ist sichtbar gemachte Liebe. Und wenn ihr nicht mit Liebe, sondern nur mit Widerwillen arbeiten könnt, lasst besser eure Arbeit und setzt euch ans Tor des Tempels und nehmt Almosen von denen, die mit Freude arbeiten. Denn wenn ihr mit Gleichgültigkeit Brot backt, backt ihr ein bitteres Brot, das nicht einmal den halben Hunger des Menschen stillt. Und wenn ihr die Trauben mit Widerwillen keltert, träufelt eure Abneigung ein Gift in den Wein. Und auch wenn ihr wie Engel singt und das Singen nicht liebt, macht ihr die Ohren der Menschen taub für die Stimmen des Tages und die Stimmen der Nacht.“

Ich kenne niemanden persönlich, der so konsequent seine ungeliebte Arbeit aufgibt, um lieber zu betteln, als ihr nachzugehen. Ich wünschte, ich könnte für mich in Anspruch nehmen, immer so geradlinig gewesen zu sein. Aber trotz allen Wagemuts habe ich auch ein Bedürfnis nach Sicherheit (Mein Mann sieht das vermutlich differenzierter 😉). Heute ausgeprägter als früher. Sicher eine Frage des Alters, aber vor allem eine der Verantwortung für unsere Kinder.

Das Radikalste, was ich je getan habe, war ein halbes Jahr vor der Ernennung auf Lebenszeit meine sichere Beamtenlaufbahn zu kündigen. Von einem Tag auf den anderen. Ich konnte es einfach nicht mehr ertragen. Die meisten Mitarbeiter empfand ich als austauschbar, als willenlose Puppen der obersten Leitung, die je nach Parteibuch eine bestimmte Richtung vorgab. Nach der nächsten Wahl dann eben eine andere. Als Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes sollten wir – anders als unsere Kollegen im sogenannten „Dritten Reich“ – kritisch, hinterfragend, moralisch einwandfrei handeln. Wenige empfand ich so. Viele schienen so frustriert von den regelmäßigen Bezügen ohne konkrete Leistungsanforderung, dass sie – oft dauerhaft – krank waren oder wenigstens ein paar Tage im Monat. Ein Kollege sagte mal zu mir: „Ich bin jeden Monat mindestens drei Tage krank. Ihr Frauen habt ja auch eure Tage, warum also ich nicht auch?“ Zumindest dieser Beamte arbeitete nicht nach den Idealen Khalil Gibrans.

Ein anderer, früherer Kollege von mir zitierte immer gern (übrigens der einzige, wirklich sehr pflichtbewusste Beamte, den ich je kennenglernt habe): „Wir sind auf der Welt, um unsere Pflicht zu tun und zu sterben. Das Wissen um das letztere, erleichtert uns das erste.“ Puh! Auch das scheint mir noch recht entfernt davon, die Arbeit als sichtbare Liebe zu verstehen. Allerdings kann auch Pflichterfüllung mit Liebe einhergehen und er macht auf mich einen ganz zufriedenen Eindruck, wenn wir uns heute auf einen Kaffee treffen.

Nach dem Austritt aus der Senatsverwaltung habe ich viele berufliche Erfahrungen in unterschiedlichen Branchen gemacht. Oft war ich im Widerstand zu meiner Arbeit, als musste ich etwas tun, das ich eigentlich nicht wollte und nur machte, weil es eben alle so taten, um Geld zu verdienen. Kennen Sie das Gefühl?

Rückblickend finde ich das schade, denn inzwischen bin ich davon überzeugt, dass unser Lebenszweck Liebe und Freude ist und nicht ungeliebte Pflichterfüllung. Schließt das nicht eine Arbeit ein, die glücklich macht? Immerhin wenden wir in Vollzeit 40 Stunden Lebenszeit dafür auf, dazu kommen noch die Zeiten für Hin- und Rückfahrt. Die Trennung zwischen unangenehmer, dafür gut bezahlter Tätigkeit, und Freizeit, die alles kompensieren muss, was seit dem Weckerklingeln das Leben verleidet, hat für mich nicht gut funktioniert. Mir fehlte öfter die notwendige Balance zwischen Kür und Pflicht. Wie ist das bei Ihnen?

Meinen Kindern versuche ich neue Gedanken zum Thema „Broterwerb“ zu vermitteln, wobei ich mich gelegentlich alter Glaubensmuster ertappe und sie drängele, auch ja etwas „Ordentliches“ zu lernen. Meist recht schnell fällt mir das auf und ich versuche sie und mich an ein Zitat von „Abraham-Hicks“ zu erinnern, das mir so gefällt:

„Eine sehr gute Berufswahl wäre eine, die in Harmonie mit den Herzenswünschen ist – diese sind Freiheit, Wachstum und Freude. Es ist sinnvoller ein glückliches Leben als „Karriere“ anzustreben, als eine Arbeit zu suchen, mit der man genügend Geld verdient, um Dinge zu kaufen, die einen nach der Arbeit glücklich machen sollen. Wenn es von herausragender Bedeutung für Sie ist, dass Sie sich glücklich fühlen und wenn Sie Ihren Lebensunterhalt mit etwas bestreiten, das Sie glücklich macht – DANN haben Sie die beste aller Kombinationen gefunden.“

Ein Kollege von mir hat das für sich erreicht. Er sagte neulich zu mir: „Weißt du, es ist mir egal, ob Wochenende ist oder nicht. Ich liebe meine Arbeit, ich freue mich, euch jeden Tag zu sehen, ihr seid wie meine Familie. Und am Wochenende sehe ich meine Freunde und das ist auch wie Familie. Jeder Tag ist schön und ich freue mich, jeden Morgen aufzustehen.“ Ich bin noch nicht ganz in diesem Zustand, aber ich arbeite dran. Wenn unser Finanzminister Wolfgang Schäuble sich durchsetzt, hab ich ja noch eine Weile Gelegenheit herauszufinden, wie das optimale (Arbeits)Leben funktioniert …

Wie haben Sie das in Ihrem Leben gelöst? Haben Sie ein glückliches, erfülltes Berufsleben gefunden? Nein? Dann empfehle ich Ihnen …

Move Your Life!

 

Foto: Nenad Aksic/Shutterstock.com

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