Eine Klientin stellte sich kürzlich in einem Beratungsgespräch diese Frage und wir diskutierten, was eine „gute Mutter“ überhaupt ausmache. Die Liste der Eigenschaften, die sie mitbringen musste, wuchs immer mehr und grenzte schließlich ans Absurde. Wie beinah immer bei Gesprächen zu diesem Thema waren zwischen den Zeilen Selbstzweifel und Angst zu spüren. 

Auch kinderlose Frauen haben diese Angst. Oft schon hab ich gehört, dass es vielleicht ganz gut sei, gar keine Kinder zu haben – vielleicht wären sie keine „gute Mutter“ und ihren potenziellen Kindern blieb einiges erspart? 

Wir Frauen lassen uns einiges aufbürden. Ich kann da gut mitreden:

Als meine Jungs vor 19 Jahren geboren wurden, stand für meinen Mann und mich fest, dass ich bald in den Job zurückkehren würde. Ich hatte eine gute Arbeit, ein festes Einkommen (im Gegensatz zu meinem Mann, der selbständig war) UND ich arbeitete gern. Ich hatte nette Kollegen und einen tollen, verständnisvollen Chef, der mir die Arbeit mit Kindern so leicht wie möglich machte.

Unsere Entscheidung wurde kritisch betrachtet, insbesondere von meinen Eltern, deren Freunden und einigen Kollegen. Ein jüngerer Kollege, mit dem ich bis dato gut zusammenarbeitete, begrüßte mich am Tag meiner Rückkehr mit den Worten: „Warum schaffst du dir überhaupt Kinder an, wenn du sie gleich wieder in die Kita abschiebst?“ Eine Gardinenpredigt daüber, wie er sich eine „gute Mutter“ vorstellte, folgte. Unser Verhältnis war danach ziemlich gestört – von beiden Seiten.

Meine Mutter registrierte ständig „Fehlentwicklungen“ bei den Jungs. Kein Wunder, aufgrund meiner Arbeit hatte ich ja keine Zeit, mit ihnen zum Arzt zu gehen. Auch sah ich immer furchtbar abgekämpft aus – das lag ja auf der Hand bei dieser Doppelbelastung! Was machte eigentlich mein Mann?

Interessant war, dass mein Mann fast nie angesprochen wurde auf unser Familienmodell oder ob er denn ein „guter Vater“ sei. Vielleicht hatte er auch einfach kein Befindlichkeitsohr wie ich, denn im Gegensatz zu mir fühlte er überhaupt keinen Rechfertigungsdruck. Er fand unsere familiäre Situation einfach gut.

Ich setzte mich damals total unter Druck, wollte unbedingt eine „gute Mutter“ sein und hatte doch immer das Gefühl, mich immer weiter davon zu entfernen. Eines Tages hetzte ich nach der Arbeit in die Kita – mein Mann und ich hatten uns missverstanden, wer die Kinder abholte – und lief direkt der Kitaleiterin in die Arme. Freundlich bat sie mich in ihr Zimmer und bot mir eine Tasse Kaffee an. „Ihre Kinder sind bei Barbara in guten Händen, jetzt kommen sie erstmal an!“ 

Sie sprach davon, dass ich mich als Frau nicht aufgeben solle, mich auch um mich kümmern müsse, Ruhephasen genauso bräuchte wie seelische und geistige Anregung. Ein schlechtes Gewissen wegen der Kinder solle ich bloß nicht haben, sie seien in der Kita gut aufgehoben: „Glückliche Mutter = glückliche Kinder“, so war ihre Gleichung. Ein schlechtes Gewissen würde uns Frauen nur eingeimpft, um uns in der Spur zu halten. Das hätte nichts mit Liebe zu tun. Wenn ich mal zu spät dran sei, solle ich einfach anrufen. Schließlich sei die Kita für genau so etwas da.

Ich bin heute noch bewegt, wenn ich daran denke. Diese Frau hat mir damals das Leben gerettet! Jedes Wort fiel direkt in mein Herz. 

Auch meine beste Freundin war eine große Stütze. Bei ihr durfte ich fernab von „Immerglücklichermutterwerbung“ herumjammern, wie ich wollte. Pragmatisch antwortete sie: „Ich hab dir gleich gesagt, dass das erste Jahr scheiße ist. Du kannst es sowieso nicht jedem Recht machen. Entspann dich!“ Danke, DANKE 🙏 

Es wäre gelogen zu behaupten, dass danach immer alles gut war. War es oft nicht. Eine unerwartete Front machte z.B. die neue Kitaleiterin auf, die selbst voller Vorurteile gegenüber arbeitenden Müttern war. Ist das nicht schräg? Würden alle Frauen zuhause sein, wäre sie arbeitslos …

Und auch sonst gab es immer wieder ungebetene Ansichten zum Thema „gute Mutter“, „richtige“ und falsche Erziehung“ undsoweiterundsofort – auch meine Erwartungen an mich selbst machten mir zu schaffen.

Inzwischen finde ich, meistere ich das Muttersein ganz gut. Ich geb immer wieder mein Bestes. Ich liebe meine Kinder und lasse sie es wissen, versuche für sie da zu sein und sie zu verstehen, auch wenn es mir manchmal schwer fällt. Ich möchte ihnen nichts vormachen und sein, wer ich bin. Meistens jedenfalls …

Ich erinnere mich, dass ich bei Feiern in Kita und Grundschule oft schöne Kekse gekauft, sie liebevoll auf einem Teller angerichtet und als Omas Geheimrezept verkauft habe – weil ich keine Zeit zum Backen hatte. Heute frage ich mich, ob ich nicht unabsichtlich damit einer anderen Mutter ein schlechtes Gewissen machte: „Was die alles schafft, sogar Kekse nach Omas Rezept“. Und was, wenn andere das ähnlich machten? „Hier sind Köfte nach einem Rezept aus meiner Heimat“ (in Wirklichkeit frisch gekauft im „Eurogida“, ganz helal 🙂 ). Wir sollten dazu stehen. Alles wäre entspannter.

Wenn du dich gerade fragst, ob du eine gute Mutter bist: Ja, bist du. Mach dich nicht fertig, sei wer du bist und keine Kopie eines unrealistischen Ideals. Genieße dein Leben (mit den Kindern) so gut du kannst.

Move Your Life … to Love and Joy!

 

Foto: Fam/Veld/shutterstock.com

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