Colourful Grey – Buntes Grau … so heißt mein Blog. Warum dieser Name? Er passt zu mir – ist widersprüchlich – wie ich. Ein Oxymoron.

Ich bin 50 – ach, bitte lesen Sie doch weiter! – fühle mich aber meist nicht so. Das Bild der 50-jährigen Frau, das meine Mutter und ihre Freundinnen mir vorlebten, erzeugt Widerstand in mir. Die schlanken, langbeinigen Geschöpfe mit grauweißer Wallemähne aus den Zeitschriften der Frau ab 40 allerdings auch. Wenn ich die Berichte zu den Bildern lese, fühle ich mich unter Druck gesetzt, weil ich mich bisher nicht von meinem Mann getrennt habe, keine heiße SM-Affäre hatte, noch nicht mal was mit einer Frau (!) und ein Sabbatical im Ausland steht auch nicht an. Meinen langjährigen Beruf, in dem ich richtig gut bin, übe ich noch immer aus. Wo ist meine Nische? Ob ich noch einmal neu anfange und bei der letzten, lebenden Almbäuerin das streng gehütete Familienwissen des Vollmondklöppelns lerne? Selbstredend würde mein Klöppel-Online-Shop ungeahnte Bestellrekorde brechen und nach nur zwei Jahren millionenschwer verkauft werden. Ich schreibe Ihnen dann von den Andamanen, während ich das Spielen mit meinen 1-jährigen Zwillingen kurz unterbreche („Ich bin jetzt viel entspannter als bei meinen ersten Kindern …“). Ich arbeite nicht mehr … Ich gebe zu: Irgendwie hat das alles seinen Reiz, aber irgendwie bin ich das auch nicht.

Dieser Blog sollte eigentlich schon vor einem Jahr starten, quasi als Selbstversuch. Wie würde meine Umgebung reagieren, wenn ich meine Haare nicht mehr färben würde? Würde ich mich alt und grau fühlen? Die Allermeisten fanden es toll, sagten sie zumindest. Und, ja,  ich fühlte mich alt, manchmal, aber das war vor der Aktion nicht wesentlich anders. So hatte ich anfangs nichts zu berichten. Und ich wollte auch nicht meine Altersflecken dokumentieren oder mitteilen, was für ein jugendlicher Tausendsassa ich sei, vor dem Sie nur vor Neid ergrauen könnten.

Doch jetzt bin ich bereit, und ich hoffe, Sie sind es auch!? Bevor ich weiterschreibe: Ich bin nicht sicher, wie Sie angesprochen werden möchten – mit „Sie“ oder mit „Du“? Ich selbst mag das „Du“, aber ich möchte hier auch nicht berufsjugendlich rüberkommen oder distanzlos. Wir kennen uns ja noch nicht so gut. Mein Vorschlag: Wir starten mit „Sie“ und es liegt bei Ihnen, wie wir weitermachen. Einverstanden?

Mein Blog soll nicht nur vom Alter(n) handeln. Andererseits beschäftige ich mich häufiger damit, nun wo ich an meiner größer werdenden Lebensalterzahl ablesen kann, dass meine Lebenszeit abnimmt. Ich habe Sehnsucht  nach bewussten Entscheidungen, die zu mir passen. Und auch ein Sabbatical wäre toll. Aber es passt gerade nicht in mein Leben. Ich möchte aufbrechen zu neuen Horizonten, dafür aber nicht alles Bisherige stehen lassen. Mich interessiert, wie ich die Grenzen in meinem Kopf überschreiten kann. Was ist alt? Was ist jung? Was brauche ich zum Glücklichsein? Wie erreiche ich das? Und muss ich dazu zum Elefanten im Porzellanladen mutieren? Die Fragen sind alterslos, die Antworten vermutlich auch. Und ich finde es spannend, nach ihnen auf die Suche zu gehen.

Begleiten Sie mich? Da ich zum ersten Mal alt werde (zumindest erinnere ich mich an keine Herbste früherer Leben), würde ich mich mit Ihnen weniger allein fühlen. Ups, Sie sehen, so ganz allein ist mir doch mulmig. Irgendwie interessiert es mich auch, wie Sie so über das Altern denken. Oder verdrängen Sie jeden Gedanken?

Ja, so ist das Leben, widersprüchlich … ein buntes Grau … Also, wenn Sie Lust haben, schauen Sie ab jetzt doch immer freitags rein … Bis dahin …

Move Your Life!

 

 

Foto: Kay Herschelmann

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