Move Your Life

Dienstagabend sahen meine Familie und ich die vorerst letzte Folge von „Game of Thrones“. Es ist so furchtbar! Mehr als ein Jahr ohne GoT. Shame! Shame!! Wie sollen wir nur die Wartezeit bis zur achten Staffel überleben?

Bei aller Brutalität (manchmal kann ich minutenlang kaum hinsehen) ist die Serie enorm faszinierend. Klar, wer Drachen, Riesen, Zwerge, Hexen, Geheimnisvolles und Mystisches liebt wie ich, kommt hier voll auf seine Kosten. Aber auch die Personen bieten ein hohes Identifikationspotenzial.

Mein Mann und Yannik finden zum Beispiel Arya super, ihre Durchsetzungskraft und Konsequenz. Karim ist begeistert von Davos Seewert und Ser Jorah Mormont, ihrer Integrität und ihrem Humor. Mein Blick hingegen hellt sich auf, wenn Jon Schnee die Bildfläche betritt – dessen innere Kämpfe immer zugunsten einer globalen Verantwortung entschieden werden, derer er sich entschlossen und grundehrlich stellt. Ich sag nur „Jon for President“ und die Welt wäre ein Paradies!

Aber ich muss gestehen, dass ich auch eine Schwäche für Daenerys habe, obwohl sie mir manchmal auf die Nerven geht. Vor allem wenn sie teenager-like rumtrotzt, weil ihre Vasallen nicht so wollen, wie sie:

„Ich bin Daenerys Targaryen, Sturmtochter, Mutter der Drachen, Erste ihres Namens, Königin der Andalen und der ersten Menschen, Regentin der sieben Königslande und Beschützer des Reichs, Befreierin von Meeren und Sprengerin der Ketten …“ Herausfordernder, stolzer Blick, Entschlossenheit und Mut – alles inklusive.

Mir imponiert, wie sie ihre eigenen Entscheidungen trifft – teilweise gegen Empfehlungen ihres Beraterstabs. Erwartungen erfüllt sie nur, wenn sie möchte. Sie nimmt sich, was ihr gefällt, einschließlich Männer. Das ist in der Kombination schon sehr fortschrittlich (Keine Angst, Familie 😉)

Als ich heute Morgen zur Arbeit fuhr, innerlich das Staffelende betrauernd, kam mir der Gedanke, wie mein Alltag in der Rolle von Daenerys aussehen könnte … (Filmische Überblende in Traumsequenz).

Um 5.30 Uhr betritt Missandei mein Gemach, lächelt sanft, als sie den neben mir schlummernden Gemahl erblickt, berührt mich zart an der (nackten) Schulter und flüstert: „Khaleesi, das Bad wartet.“

Kraftvoll erhebe ich mich und schreite, mir meiner Schönheit nicht wirklich bewusst, umflossen von meiner perfekt frisierten silbernen Haarpracht, zur Morgentoilette.

Als ich danach die Küche betrete, warten dort bereits Missandei, Grauer Wurm und Tyrion auf mich. Auf dem Tisch liegt eine Landkarte auf der mein Weg ins Büro, der Abstecher zu Aldi und die Rückfahrt, quer durch den gefahrvollen Bezirk Wedding, verzeichnet sind. Während Grauer Wurm stoisch geradeaus blickt und Missandei mich sorgenvoll anschaut, klärt Tyrion mich über die akuten Bedrohungen des Tages auf. Ich überlege kurz, sage „Das ist mir egal“ und besteige den im zweiten Hinterhof wartenden Drachen, während meine Gefährten das Boot über den Spandauer Schifffahrtskanal nehmen.

Den restlichen Weg legen sie gemeinsam mit den Unbefleckten und den Dothraki zurück. Sie warten schon am Eingang des Bürogebäudes auf mich, während sich Drogon, mein Lieblingsdrache, fauchend und flügelschlagend auf der Einfahrt niederlässt. Der Parkplatz bröckelt unter seinen Klauen weg und sorgt für eine bedrückende, endzeitliche Atmosphäre. Würdevoll steige ich herab.

Grauer Wurm und zehn seiner Getreuen werfen mir den aufständischen Vertreter eines Firmendistrikts zu Füßen, gefolgt von einem Abtrünnigen einer entfernten Einheit. Beide zittern vor Angst, als sie den heißen Atem meines Drachens spüren, der verächtliche, schnaubende Geräusche von sich gibt und dabei kleine Flammenwölkchen ausstößt, die ihre Kleidung versengen.

Auf einen Wink von mir erscheint Melisandre, die mit glühenden Augen befiehlt, beide dem Gott des Lichts zu opfern. „Dracarys“ rufe ich und Drogon entzündet am Schild des Sammelplatzes einen Scheiterhaufen, die Getreuen schauen unbewegt, während die Gefangenen angstvoll schreien. Tyrion ist außer sich und redet aufgeregt zu mir hoch, ich könnte damit den gesamten Wedding gegen mich aufbringen. „Er hat recht!“, denke ich und überlasse die beiden stattdessen Cersei Lannister und dem Berg als Friedensgeste.

Die Mitarbeiter stürzen aus dem Firmengebäude und sind schier von Sinnen vor Glück. Ich stehe stolz aufgerichtet neben Drogon. Links von mir, Missandei, Grauer Wurm und Tyrion. Melisandre betet etwas weiter entfernt zum Herrn. Ich wende mich an das Bürovolk:

„Ich bin Manuela Luther, geboren an Maria Lichtmess, Tochter von Move Your Life, Mutter der Zwillinge, Erste dieses Namens und Königin der Familie, Regentin über vier Vorgärten und Beschützerin der Blumen, Befreierin des Selbst und Sprengerin von Glaubensmustern. Beugt das Knie und kämpft an der Seite eurer Königin!“ Jubelnde Massen winken mir zu.

Hinter mir erklingt der klagende Ton eines Waldhorns. „Weiße Wanderer?“, denke ich entsetzt, während der Ton mich in aggressiven, kurzen, abgehackten Sequenzen in die Gegenwart zurückholt. Ein LKW-Fahrer will in die Einfahrt, gestikuliert wild hinter mir und zeigt mir einen Vogel. „Ich werde Ungerechtigkeit mit Gerechtigkeit begegnen!“, denke ich. Ich habe Daenerys bereits völlig verinnerlicht.

Ich fahre zur Seite, parke, steige aus und gehe entschlossen auf den LKW-Fahrer zu, der mich misstrauisch betrachtet. „Guten Tag, mein Name ist …“, ich unterbreche mich und fange an zu kichern. „Bitte entschuldigen Sie, ich war gerade woanders“, sage ich. „Juten Morjn“, kommt es lachend zurück, „war`t denn schön?“.

Oh, ja, meine Laune ist bestens. Wer weiß, wer ich morgen bin 🙂

Move Your Life!

 

Foto: Refluo/Shutterstock.com

 

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