Zunächst muss ich  festhalten, dass die geniale Bezeichnung „Arsch-Engel“ nicht von mir stammt – leider! -, sondern von dem Autor Robert Betz, dessen Bücher ich bisher nicht gelesen habe … dafür aber meine Freundin Hildegard.

Als wir uns kürzlich trafen und ich so vor mich hinlamentierte, wie anstrengend derzeit einige Menschen in meinem Leben seien, hörte sie mir liebevoll lächelnd zu, bis ich fertig war. Dann fragte sie mich mit strahlendem Lächeln: „Manu, hast du schon mal etwas von den „Arsch-Engeln“ gehört?“

Ich dachte, ich hätte sie missverstanden und fragte nochmal nach. Als Mensch mit einer positiven Haltung zur möglichen Existenz von Engeln fand ich diese Bezeichnung doch recht befremdlich.

Hildegard lächelte fröhlich und legte los. Bei den „Arsch-Engeln“ handelt es sich um Menschen, die wir umgangssprachlich durchaus mal als Arsch bezeichnen. Sie machen uns das Leben schwer, wir ärgern uns über sie, sie enttäuschen uns, wir fühlen uns hintergangen, belogen und betrogen, könnten ihretwegen an die Decke gehen und aus der Haut fahren. Oft sind es sogar Menschen, die uns besonders nahe stehen, die uns derartig aus der Fassung bringen. Kein Wunder, sie kennnen uns am besten und wissen, welche Knöpfe sie bei uns drücken müssen …

Anstatt dass wir nun ausrasten vor Wut, schlägt Robert Betz vor, sollten wir uns bewusst machen, dass diese Menschen uns nur deswegen ärgern, weil sie etwas in uns ansprechen, was an sich schon vorhanden ist. Daher sind die „Ärsche“ in unserem Leben eigentlich Engel auf unserem Weg der Selbsterkenntnis, denn sie zeigen uns genau, welchen Schmerz in uns wir bisher nicht angesehen und geheilt haben.

Ach, das fand ich ja nun süß. Sofort stellte ich mir meine Sammlung von anstrengenden Menschen mit einem knackigen, nackten Hintern und leicht zerfledderten Flügeln vor und musste lachen.

Hildegard lachte erheitert mit und sagte: „Sehr gut, Manu, wenn man lachen kann, wird alles gleich besser.“ Ja, wie wahr. Und meine persönlichen „Arsch-Engel“ sahen in der von mir vorgestellten Aufmachung auch nicht sonderlich bedrohlich aus. Vielmehr fand ich es rührend, welche Mühe sie sich gaben, mich auf Schwachstellen aufmerksam zu machen, die offenbar der Heilung bedurften. Und das schienen mehr zu sein, als mir lieb war.

Hildegard und ich diskutierten eine ganze Weile. Dachte ich anfangs, dass ich jede Menge unterschiedlicher „Arsch-Engel“ in meinem Leben hätte, stellte ich bald fest, dass sie alle etwas miteinander verbindet: Keiner von ihnen sieht mich, wie ich mich sehe, alle halten mich für etwas „schuldig“, was ich ihrer Meinung nach falsch oder gar nicht gemacht oder besser unterlassen hätte. Keiner hört zu, was ich sage. Und das bringt mich in nullkommanichts auf die 🌴.

Der Gedanke an die „Arsch-Engel“ ließ mich an den folgenden Tagen nicht los. Irgendwie rührte mich, was sie alles auf sich nahmen, um mich auf meine blinden Flecken aufmerksam zu machen. Und um ehrlich zu sein: Der Schmerz, auf den sie deuteten, ist alt. In meiner Ursprungsfamilie war ich anders, als man mich haben wollte. Das fand ich ungerecht. Und das ist es ja auch. Ich darf enttäuscht und wütend sein – aber auch dankbar, dass es Gelegenheiten gibt, um darüber hinwegzukommen. Dass ich immer noch so darunter leide, war mir gar nicht bewusst.

Ich habe nun angefangen, in Gedanken meinen „Arsch-Engeln“ kleine Herzpflaster auf ihre Flügel zu kleben, damit sie sich vollständiger fühlen und geliebt – und bald wieder fliegen können. Vermutlich haben sie selbst auch jede Menge unverarbeiteten Schmerz in sich, weil sie auf mich so empfindlich reagieren. Schließlich teile ich ihre Meinung ja auch nicht. Folgerichtig muss ich dann wohl für sie ein „Arsch-Engel“ sein?!

Manchmal bin ich unachtsam und erhöhe den Schmerz meiner Mitmenschen. Oder ich projiziere meine Unvollkommenheit auf sie, bestehe darauf, dass ICH Recht habe und sie nicht, fühle mich als Opfer und kultiviere diese Haltung. „Wenn die nicht …, dann …!“

Es kann vorkommen, dass ich eine leichte Bewegung im Augenwinkel spüre und zu sehen glaube, dass ein kleines Herzpflaster auf meinen Rücken geklebt wird. Eine sanfte Stimme sagt zu mir: „Alles ist gut. Wir sind nur Menschen … und manchmal auch „Arsch-Engel“. Das macht nichts … wenn wir nur voneinander lernen und versuchen, es besser zu machen.

Move Your Life!“

 

Foto: Elena Arsentyeva/Shutterstock.com

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