Move Your Life

Als ich im Urlaub war las ich das Buch „The Big Five for Life: Was wirklich zählt im Leben“ von John Strelecky. Vielleicht kennt ihr den Autor, er hat das sehr bekannte Buch geschrieben „Das Café am Rande der Welt“ und wie es im Untertitel heißt, ist es eine Erzählung über den Sinn des Lebens. Es ist ein recht dünnes Büchlein, Kritiker sagen das auch vom Inhalt, aber wer sagt denn, dass komplexe Themen nur hochphilosophisch aufbereitet sein müssen? Bilder berühren uns im Herzen, Worte schaffen das nicht immer. Ich mag das Buch.

Daher las ich nun „The Big Five for Life“. Es vertritt – kurz gefasst – die These, dass wir glücklicher und erfolgreicher leben, wenn es uns gelingt, den Grund für unser Dasein zu finden und ihn dann, quasi als Berufung, auch im Arbeitsleben verwirklichen. Haben Arbeitnehmer und Unternehmen einen gemeinsamen Sinn für das Leben gefunden, ist der einzelne Mensch glücklich, aber auch die Arbeitnehmerschaft als Ganzes, weil alle nach ihren Talenten und Wünschen arbeiten. Der Chef der Firma, der nicht unbedingt der Inhaber sein muss, lebt ebenfalls seinen Existenzzweck zu Gunsten des Unternehmens und seiner Mitarbeiter. Alle arbeiten „profitabel“ – seelisch, körperlich und finanziell. Eine Utopie?

Meine eigenen Erfahrungen als Mitarbeiterin, Unternehmerin und Beraterin sind sehr unterschiedlich. Selbstkritisch muss ich anerkennen, dass ich immer dann unzufrieden – und ja, auch erfolglos war – wenn ich nicht ausreichend von der Sinnhaftigkeit meiner Arbeit oder den Fähigkeiten und der Begeisterungsfähigkeit meiner Mitstreiter überzeugt war. Dann konnte ich keine Kunden begeistern, keine Kollegen mitreißen, keine Innovation einführen, machte schlichtweg nur meinen Job – und war froh, wenn Feierabend war. Oft suchte ich nach Schuldigen, fühlte mich als Opfer. Meine Ängste vor einer ungewissen Zukunft hielten mich gefangen in einer unerträglichen Situation, am falschen Ort.

Auf der Website des Autors, www.jsandfriends.com, informierte ich mich weiter und las: „Weißt Du, wie das Leben sich entwickelt? Deine Lebensspanne erstreckt sich durchschnittlich über 30.300 Tage. Manchmal ist es weniger, hoffentlich ist es mehr, doch normalerweise sind es durchschnittlich 30.300 Tage. Um sicher zu gehen, dass wir ein Leben führen, das uns Freude macht, sollten wir jeden Tag etwas tun was wir lieben.“

Durchschnittlich 30.300 Tage +++ 30.300 Tage +++ 30.300 Tage … wie ein Laufband lief diese Zahl an meinem inneren Auge vorbei. Ich war ehrlich gethrillt. Du meine Güte, das klingt nicht viel, jeden Tag rinnt einer davon durch die Sanduhr meines Lebens. Hab ich meine bisher gelebten 19.057 Tage sinnvoll eingesetzt? Und wie viele Tage werde ich noch gesund – im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte – im Kreis meiner Lebensmenschen verbringen dürfen? Sorglos hoffentlich? Mir selbst und meiner Interessen wohl bewusst, sie ausgestaltend ohne egoistisch zu sein, aber dennoch mit der notwendigen Fürsorge für MEIN Leben? Werde ich die richtigen Prioritäten setzen, mich mit den richtigen Menschen umgeben, Altes hinter mir lassen und meine Lektionen lernen, so dass ich sie nicht noch einmal wiederholen muss?

Und wie sieht es mit meinen Kindern aus? In ihren bisher 6.500 gelebten Tagen haben sie im Zeitraffer eine enorme Entwicklung von der ersten Zellteilung bis heute hinter sich gebracht, haben unglaublich viel gelernt und stehen nun kurz vor ihrer Volljährigkeit. Sie gelten dann nach dem Gesetz als erwachsen, sind mündig, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Aber können sie das überhaupt? Hab ich ihnen das Richtige dafür beigebracht, meine Zeit gut genutzt? Sind sie denn „erwachsen“? Bin ich „erwachsen“?

Ebenso wie meine Kinder habe ich zurzeit das Gefühl, einen wesentlichen Lebensabschnitt hinter mir zu haben, nur ist meine Zeitspanne größer als ihre und die Menge an Erlebnissen ist es auch. Dennoch stehen wir gemeinsam auf einer neuen Entwicklungsstufe, sind wir auf dem Sprung zu etwas Neuem: Sie beenden bald ihre Schule, denken über eigenständige Entwicklungen nach, über berufliche Möglichkeiten – und wissen nicht genau, wie es weitergehen wird.

Anders als sie habe ich meine 18-jährige Lebensgrundausbildung vor langer Zeit abgeschlossen, habe einen Beruf ergriffen, dann noch einen, dann … habe geheiratet, Kinder geboren, Krisen erlebt, Verluste gemeistert … ich müsste Routine haben, was Lebensveränderungen angeht. Ja, schon, aber jeder Schritt in eine unbekannte Zukunft ist immer neu und macht mir auch Angst. Die zunehmende Selbständigkeit meiner Jungs eröffnet mir neue Türen, verlangt aber auch einen kritischen Blick auf mich selbst: Wer bin ich geworden, wer will ich sein?

Heute weiß ich: Diese Fragen sind alterslos und werden uns unser Leben lang begleiten. Und sie sind existenziell, ebenso wie die Frage: Was ist „Leben“?

Von der berühmten Hospizgründerin Cicely Saunders stammt der wunderschöne Satz: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“ Wie wahr!

Mein Aufruf an alle Kinder jeden Alters lautet daher: „Das Leben ist Lernen, kein Zustand. Verharrt nicht aus Angst in einer misslichen Situtation, nur weil ihr nicht wisst, was als Nächstes kommt. Macht Fehler – ihr lernt daraus – ihr lernt euch kennen, was euch gut tut und was nicht. Traut euch was. Hört auf eure innere Stimme. Probiert euch aus. Macht euer Leben lebenswert. Liebt. Vertraut – immer wieder. Verbindet euch mit anderen. Teilt. Genießt den Augenblick. Kostet das Leben aus. Es ist ein Geschenk – egal, wieviele Tage es hat. Lebt! Habt keine Angst!“

Ein Video des Schauspielers Will Smith erklärt eindrucksvoll, warum Angst sich nicht lohnt:

https://youtu.be/wwgu9QyL2Jc

Also, ihr Lieben, ihr müsst nicht aus dem Flugzeug springen, um das Leben zu spüren:

Steht einfach auf. Habt keine Angst vor der Angst. Macht einen Schritt … an ihr vorbei … dort warten die schönsten Dinge des Lebens!

Move Your Life!

 

Foto: Shutterstock.com/FamVeld

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