Am glücklichsten bin ich, wenn ich meine Persönlichkeit auf meiner Arbeit nicht ausblenden muss, sondern sein kann, wie ich wirklich bin. Dazu gehört, dass mein Wissen und meine Erfahrungen die Arbeit positiv beeinflussen, aber genauso freue ich mich, wenn ich dort Dinge lerne, die mir auch privaten Nutzen bringen.

Bestimmt geht´s Ihnen ähnlich. Deswegen stelle ich Ihnen heute die „Affen-Analogie“ vor: Die beiden Managementberater William Onken und Donald Wass haben sie beschrieben, um zu erklären, warum Führungskräfte oft total überlastet sind, während sich ihre Mitarbeiter häufig langweilen. Dieses Modell können Sie prima auf Ihr Familienmanagement übertragen, auf Freundschaften, auf Vereine … Also lassen Sie sich nicht länger zum Affen machen und sehen Sie, wie Sie das verhindern können 😉 Viel Spaß!

Onken und Wass vergleichen Aufgaben, die zu erledigen sind, mit Affen, welche Vorgesetzte ihren Mitarbeitern zwecks Fütterung, Pflege, Aufzucht und gegebenenfalls zum Wiedereingliedern in die Wildnis anvertrauen.

Jeder Mensch kann nur eine bestimmte Anzahl von Affen gut betreuen. Wenn die Affenherde zu groß wird, magern die einzelnen Tiere ab, fallen ins Koma, und im schlimmsten Fall versterben sie.

Einige Affen hüpfen aber auch fast unbemerkt von der Schulter des betreuenden Mitarbeiters zurück in den Stall des Vorgesetzten. Dort fühlen sie sich wohl und erwarten Pflege, leckere Bananen und vielleicht ja sogar ein paar Kuscheleinheiten. Wenn immer mehr Mitarbeiteraffen zum Chef zurückwandern, bedeutet das ein volles Haus, das immer voller und enger wird. Im Nachbarstall, dort wo der Mitarbeiter seine Affen hält, langweilen sich die Restexemplare, werden immer dicker und treiben Unfug. Wie kann so etwas passieren?

Lassen Sie uns den Moment des Affenumzugs mal in Zeitlupe anschauen. Dazu stelle ich Ihnen einige unterschiedliche Situationen vor, die Ihnen vielleicht bekannt vorkommen und helfen, künftige Affenüberführungen zu vermeiden:

Situation 1: Auf dem Weg zu einer Besprechung treffen Sie Ihren Mitarbeiter, Herrn Müller. Dieser begrüßt Sie mit den Worten: „Guten Morgen, Chef, übrigens, wir haben da ein Problem. Wissen Sie …“ Während Herr Müller fortfährt, ahnen Sie, was sich anbahnt:

  • Sie wissen genug, um in das Problem verwickelt zu werden, aber
  • Ihnen fehlen Informationen, um sofort eine Entscheidung treffen zu können.

Ihre mögliche Reaktion: Sie sagen zu Herrn Müller „Gut, dass Sie das Problem angesprochen haben. Ich bin im Moment in Eile. Aber, ich werde darüber nachdenken und Ihnen Bescheid geben“. Daraufhin gehen Sie auseinander.

Was ist in diesem Moment passiert? Wo war der Affe zum Beginn des Gesprächs? Und wo am Ende?? Richtig: Bei Ihnen! Hätte er auch bei Herrn Müller bleiben können?

Nachmittages steckt Herr Müller seinen Kopf zur Tür herein und fragt freundlich „Na, Chef, haben Sie schon eine Idee? Kommen Sie voran?“ (Das nennt man Kontrolle, oder?? 😀 Eigentlich sollte man Ihnen doch über den Fortschritt des Projekts Bericht erstatten …)

Situation 2: Ihre 16-jährige Tochter kommt zu Ihnen und sagt: „Mama, Marie, Sophie und Chantal dürfen in den Sommerferien nach Spanien fahren. Darf ich auch? Und wie lange? Alle haben gesagt, du kannst ihre Eltern anrufen und fragen, wo das ist und was es kostet. Machst du das??? Bitte, ich möchte so gerne mit.“ (Rehaugenaufschlag)

Haben Sie eine Idee, von wo nach wo der Affe gewandert ist? Haben Sie noch Platz in Ihrem Affengehege? Wohnt da nicht schon der Affe Ihres Sohnes, der gleich noch ein Bügeleisen für seine Hemden mitgebracht hat? Und da, in die Ecke gequetscht der possierliche Primat Ihrer Schwiegermutter, der nur mit Ihnen einkaufen gehen kann??

Was macht Ihre Tochter in der Zeit, während Sie alle Informationen zusammentelefonieren? Langweilt sie sich gerade oder chattet via WhatsApp mit Marie, Sophie und Chantal ob bis Juli die Bikinifigur stimmt?

Situation 3: Der Kassenwart Ihres Sportvereins legt Ihnen einen Bericht vor, mit dessen Inhalt Sie nicht ganz zufrieden sind. Sie nehmen den riesigen Papierberg entgegen und sagen ihm, dass Sie das noch mal überarbeiten werden. Das ist ja total unübersichtlich, viel zu viel, gänzlich unstruktruriert und überhaupt, Sie hatten sich das anders vorgestellt. Wie sollen die Mitglieder denn nur die Beitragserhöhung verstehen?

Der Affe des Kassenwarts gehört nun Ihnen. Welche andere Reaktion wäre denkbar gewesen?

Situation 4: Zurück ins Büro. Ihr Mitarbeiter kommt mit einem Projekt nicht voran und bittet um Ihre Hilfe. Das ist absolut in Ordnung, aber wie können Sie sicherstellen, dass der Affe seinem rechtmäßigen Besitzer erhalten bleibt?

Damit Sie nicht verzweifeln und im Dschungel Ihres Affen-Managements untergehen, hier die goldenen Regeln von Onken und Wass:

„Affe rein – Affe raus“: Der Affe darf kurz mit Ihrem Gesprächspartner und Ihnen am Tisch sitzen, es werden Entwicklungsschritte vereinbart, und ihr Gesprächspartner nimmt den Affen mit zu sich nach Hause, hegt und pflegt ihn und bringt ihn nach einiger Zeit zur Kontrolle vorbei.

„Affen verboten“: Keine Zeit für Primaten anderer Tierbändiger. Sie haben schließlich Ihre eigenen Affen im Gehege und dürfen die auch mal pflegen, ohne dass neue um Einlass bitten …

„Jobangebot: Affendompteure gesucht“: Erziehen Sie Ihr Umfeld dazu Verantwortung zu übernehmen und Probleme allein zu lösen. Das erspart Ihnen nicht nur Arbeit, sondern macht die eigentlich Verantwortlichen zufrieden und stolz.

Und noch etwas Positives geschieht: Die ehemals lustlosen und unwissenden Tierhalter lernen ihre eigenen Verantwortungsbereiche schätzen, sie entwickeln Fachwissen und können Ihnen vielleicht sogar eines Tages bei der Pflege Ihrer eigenen Affen helfen.

Ich finde, das ist ein guter Anreiz, mal vor der eigenen (Stall)Tür zu kehren. Und wenn da noch so niedliche Exemplare um Einlass bitten, denken Sie daran, dass sie Ihnen eines Tages die Haare vom Kopf fressen …

Move Your Life!

 

Foto: Eric Isselee/Shutterstock.com

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