… als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ Keine Angst, das wird keine Bibelstunde. Und ich bin auch gar nicht sonderlich bibelfest. Auch wenn Sie aufgrund meiner Namensähnlichkeit mit einer historischen Persönlichkeit vielleicht anderes vermuteten 😉 Ich las allerdings vor ein paar Tagen etwas über dieses Gleichnis und erinnerte mich spontan daran, dass meine Religionslehrerin mit uns Grundschülern darüber sprach. Die Befreiung von materiellen Dingen führe dazu, dass der Mensch sich auf das Wesentliche – seine Beziehung  zu Gott – konzentrieren könne. Daher wäre es sinnvoller, ohne Geld zu leben. Schließlich würden sich aus diesem Grund ja auch Nonnen und Mönche in ein Kloster zurückziehen. Heute sehe ich diese Ansicht lediglich als Teilaspekts eines sehr vielschichtigen Themas, als Kind schien mir der Gedanke recht schlüssig.

Ich war allerdings ein typisches „Warum-Kind“ und hatte trotz allem ein paar Fragen: Kamen dann alle reichen Menschen in die Hölle? War die nicht eigentlich nur für böse Menschen bestimmt? Ergab sich daraus die Formel: reich = böse? Die Königstöchter in den Märchen, die ich gern las, waren immer sehr begehrt und der edle Ritter bekam mit ihrer Hand auch gleich das gesamte Königreich. Wurden dann beide böse, nachdem das Märchen zu Ende war? Diese Ungereimtheiten vermochte meine Lehrerin leider nicht zufriedenstellend aufzulösen.

Es scheint mir generell bei vielen Menschen sehr zwiespältige Gefühle zu diesem Thema zu geben.  Immer wieder bemerke ich, wie herausfordernd der vermeintliche Gegensatz zwischen Geld und Spiritualität ist: Offenbar gibt es nur die Entscheidung zwischen Reichtum und Erleuchtung, zwischen Macht und Ohnmacht, zwischen Maßlosigkeit und Genügsamkeit. Ich persönlich glaube das zwar nicht, auch wenn die aktuellen Nachrichten über die „Panama Papers“ anderes zu berichten scheinen. Aber ich erlebe oft, dass wohlhabende Menschen soziale und gemeinnützige Einrichtungen unterstützen. Und das muss ja nicht alles von ihnen initiiert worden sein, um sich quasi im Ablass-Verfahren einen Platz im Himmel zu erkaufen …

Ich bin der Überzeugung, dass wir uns aufgrund überlieferter, alter Glaubenssätze oft selbst blockieren, wenn wir über das Thema Reichtum nachdenken. Wenn wir glauben, dass Geld etwas Schlechtes ist oder etwas, das uns schadet, wie soll es dann sprudelnd in unser Leben fließen?

Haben Sie an dieser Stelle vielleicht Lust auf ein kleines Experiment? Überlegen Sie doch einfach mal, was Ihnen Ihre Eltern oder Lehrer über das Thema „Reichtum“ beigebracht haben. Gucken Sie mal bitte nicht gleich auf die unten folgende Aufzählung …

Okay, kommen Ihnen vielleicht folgende Aussagen bekannt vor?

  • Geld stinkt (nicht).
  • Es gibt Wichtigeres als Geld.
  • Geld bringt nur Verantwortung mit sich.
  • Geben ist seliger denn nehmen.
  • Geld regiert die Welt.
  • Geld verdirbt den Charakter.
  • Lieber arm und glücklich als reich und unglücklich.
  • Wer Geld hat verliert die Bodenhaftung.
  • Wer Geld hat, sitzt am längeren Hebel.
  • Über Geld spricht man nicht.
  • Geld ist unwichtig.
  • Kleines Geld, kleine Sorgen; großes Geld, große Sorgen.

Ich kann Sie trösten, Sie sind nicht allein. Das sind alles typische Antworten aus den Workshops und Beratungen mit meinen Klienten und auch ich habe lange solche Gedanken gehegt. Bis mir irgendwann klar wurde, dass reich sein eben nicht nur etwas mit Geld zu tun hat. Ein reiches Leben können wir auf viele Arten führen:

Wir können reich sein an Liebe, an Zeit, an Erfahrungen, an Freundschaften, an Erlebnissen, reich an Lebensjahren, Erinnerungen, an Wissen und, und … Wie kostbar ist es doch, wenn jemand sich viel Zeit für uns nimmt. Fühlen wir uns dann nicht reich beschenkt? Bereichern wir unser Leben nicht enorm durch Eigenschaften wie Kreativität, Vorstellungskraft, Willen und Gelassenheit?

Geld ist zweifellos ein wichtiger Aspekt des Reichtums und ermöglicht uns als Gegenleistung oft wundervolle Erfahrungen. Ohne Geld hätten meine Familie und ich zum Beispiel keinen wunderschönen Urlaub an der Algarve verbringen können. Es aus reinem Selbstzweck ansammeln zu wollen macht uns jedoch letztendlich arm, wenn wir ihm hinterherjagen. Und sein Mangel beweist uns, dass wir es „nicht geschafft“ haben.

Patricia, meine Lehrerin in England, sagte einmal scherzhaft, es sei leichter, mit Menschen über Sex zu reden als über ihre Einstellung zum Geld. Und Statistiken sagen, dass in Beziehungen am meisten über Finanzen gestritten würde. Tun Sie das bitte nicht!

Überlegen Sie doch bitte einmal, wer Ihnen die ganzen Weisheiten zum Thema Geld vermittelt hat. Meist waren es Menschen, die in ganz anderen Zeiten gelebt haben oder die auch nur Gemeinplätze zum besten geben. Oft steht hinter einem negativ besetzten Wort gar nicht Ihre eigene Erfahrung, sondern die anderer. Dann kann es hilfreich sein, ein negativ belegtes Wort durch ein positiveres zu  ersetzen.

Für mich habe ich zum Beispiel das Wort „Fülle“ gefunden. Es erzeugt ein völlig anderes Gefühl als „Reichtum“ in mir. Ist es nicht viel anregender, in Fülle zu leben, als einfach nur reich sein? Mich vom Füllhorn des Lebens mit guten Dingen überschütten zu lassen und wohlig darin zu baden? Welch Fülle an Möglichkeiten tut sich mir nun auf!

Auf diesem Wege umgehe ich auch die Angst, nicht ins Himmelreich zu gelangen. Einfach schon deswegen, weil mein Leben mit soviel Freude gefüllt ist, dass ich mir den Himmel auf Erden schaffe … Versuchen Sie es doch auch einmal.

Move Your Life!

Foto: Creativision/Shutterstock.com

 

 

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