Move Your Life

Momentan ist es wirklich so, dass mich der Verkauf der Firma, für die ich arbeite, sehr beschäftigt und in Atem hält – wobei ich das gar nicht will. Meine Mutter verdrehte früher oft die Augen, wenn ich ihr riet, sie solle mal flexibler sein und sagte dann: „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier“. Ich fand, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, heute bin ich etwas kleinlauter. Es ist eben doch etwas anderes, ob man selbst die Zügel der Veränderung in der Hand hält oder andere an der Trense ziehen (um im Bild zu bleiben).

Mit  meinem Lieblingskollegen sprach ich heute über den Sinn des Lebens und wie wichtig es ist, dass sich die Lebensumstände immer mal wieder ändern, damit man selbst nicht einrostet. Sonst würde man einfach immer weitermachen, weil man glaubt, man hätte endlos Zeit. Irgendwann mal erfüllt man sich schon seine Träume. Wirklich?

Unser Blick fiel aus dem Fenster auf die Baustelle davor. Es sieht grauenhaft dort aus, guckt mal:

Hinter unserem Büro wird ein neues Firmengebäude hochgezogen und überall auf dem Gelände steht Baumaterial. „Irgendwie ist das ein Sinnbild für mein Leben“, sinnierte ich, während ich die Unordnung vor meinem Fenster betrachtete. „Aber das kann nicht sein“, antwortete mein Kollege. „Du machst so viele tolle Sachen, bist begeisterungsfähig und glücklich. Übertreibst du nicht ein bisschen?“

Naja, vielleicht. Dennoch sind in meinem Leben viele Dinge, die da gar nicht hingehören, weil andere dafür die Verantwortung tragen oder sie ihren Müll bei mir stehen gelassen haben. Ich selbst hab an einigen Stellen auch nicht alles aufgeräumt und Vergangenes und Unverarbeitetes einfach abgeladen. Jetzt verstellt es mir teilweise die Sicht auf etwas Neues, weil ich zu glauben scheine, nur weil es schon lange da steht, sei es wichtig.

Mein Kollege und ich überlegten, was man braucht, um glücklich zu sein. Ein Einkommen. Wie hoch? Sehr individuell, aber wir überschätzen oft die Menge, waren wir uns einig. Es muss reichen, um die Fixkosten zu bezahlen wie Miete, Strom, Unterhalt für die Kinder, der Kühlschrank muss voll sein. Brauchen wir Geld für Urlaub? Nicht unbedingt. Reisen ist schön, aber wie oft verreisen wir eigentlich, um unserem belastenden Alltag zu entkommen? Tut man das, was einen glücklich macht, braucht man automatisch weniger Kompensation.

Schaue ich z.B. in meinen Kleiderschrank sehe ich dort schöne Sachen für beinah jede Gelegenheit meines Lebens. Die Bücherwand platzt aus allen Nähten. Zu essen haben wir mehr als genug, manchmal muss ich was wegschmeißen. Von allem hab ich mehr als ich brauche. Hab ich Angst, mir nicht noch mehr von dem ohnehin zu Vielen zu kaufen?

Menschen brauchen wir, erklärten wir unisono. Menschen, die unsere Seele nähren, denen wir vertrauen, mit denen wir gern zusammen sind, denen wir Gutes tun wollen. Beziehungen sind wichtig – eigentlich das Wichtigste. Manchmal haben wir nur zu wenig Zeit, die wir mit unseren Lieblingsmenschen verbringen können. Die Arbeit … Verpflichtungen.

Wie bitte???

Vielleicht sollten wir das Pferd andersherum aufzäumen (genialer sprachlicher Rückschluss zum Anfang, oder?!😜): Zuerst sollten wir prüfen, welche Menschen uns gut tun und welche nicht. Dann verbringen wir mit den Seelenmenschen mehr Zeit, die uns glücklich macht und unser Herz mit Freude erfüllt. Anschließend, wenn wir innerlich wohlig satt sind, räumen wir unsere Lebensbaustelle auf und verdienen zum Schluss das Geld, das wir für unsere LebensERhaltungskosten brauchen.

Für´s Erste waren mein Kollege und ich zufrieden. Nach Weihnachten wollen wir mal wieder ein Bier zusammen trinken gehen. Haben wir lange nicht mehr gemacht. Wegen der vielen Arbeit …

Move Your Life!

 

Bild: levgenii Meyer/Shutterstock.com

2 Kommentare
  1. Astrid Braband
    Astrid Braband sagte:

    Sehr schön!!! Und immer wieder wichtig: sich mit Menschen umgeben, die einem guttun. Das nährt Körper, Geist und Seele. Und dann kann der Kühlschrank auch ruhig ein bisschen leerer sein 😉

  2. Manuela Luther
    Manuela Luther sagte:

    Liebe Astrid, du hast so recht! Gleich in zweierlei Beziehung, denn wenn ich glücklich bin, hab ich viel weniger Hunger 🙂 Hab ein schönes Wochenende!!

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