Nein, dies ist jetzt keine Aussage über bestimmte Zustände meines Lebens … Oder – doch, eigentlich schon, aber keine Angst, ich will jetzt nichts über Sie auskübeln. Stattdessen möchte ich mich einem ganz anderen Thema zuwenden, nämlich der Frage: Darf ich als spirituell denkender Mensch andere Menschen ablehnen? Sind wir nicht alle eins? Und bedeutet das nicht, wir müssten uns alle mögen? Diese Frage wird mir oft gestellt und ich versuche sie hier zu beantworten.

Zunächst möchte ich kurz aufklären, wie ich zu der Überschrift zu meinem Blogartikel kam: „Fuck it!“ heißt ein Buch von John C. Parkin (hier allerdings komplett ausgeschrieben, ich wollte Ihnen aber nicht gleich in der Überschrift zu gossig begegnen), einem – sagen wir mal – recht ungewöhnlichen Menschen, den ich einmal auf einem spirituellen Kongress reden hörte. Sein Vortrag war wirklich lustig. Ich bin allerdings nicht davon überzeugt, dass ein lautes, kräftiges Schimpfwort – egal welches – gleich alle Probleme löst. Ich stimme allerdings zu, dass es beim Anwender zu einer gewissen Erleichterung führen kann. Nach Parkin ist dies ein spiritueller Akt des Loslassens, der direkt in die Tiefenentspannung führt – WENN, und das ist DIE zentrale Aussage, es Ihnen tatsächlich scheißegal ist, wie man sich üblicherweise verhält und Sie gänzlich nach Ihren eigenen Maßstäben leben.

Nun, ich denke, es geht Ihnen wie mir und Sie stehen vor der ersten großen Hürde: Wer ruht schon so in sich, dass es ihm immer egal ist, was die anderen denken? Außerdem wollen Sie vielleicht auch nicht drastisch fluchend durch die Gegend marodieren, sondern sich eher auf dezentere Art und Weise abgrenzen. Und das sollten Sie unbedingt tun, wenn Ihre Grenzen überschritten werden. Besser sogar noch, bevor es geschieht. Denn wenn Sie schlechtes Benehmen in Ihrem Leben dulden, setzen Sie Signale, dass Sie so etwas akzeptieren. Und Sie werden mehr und mehr davon erfahren. Sagen Sie also: „Nein! Stopp! Bis hierher und nicht weiter!“ Sagen Sie es klar und deutlich und verniedlichen Sie nichts. Ihr Gegenüber soll verstehen, worum es Ihnen geht und Ihre Argumente nicht als Vorspiel für ein neckisches Wortgefecht verstehen. Gilt das auch für nahe stehende Personen? Ja, unbedingt!

Zurück zu der Frage, ob Sie als spiritueller Mensch andere ablehnen dürfen. Ich antworte mit einem entschiedenen Jein! Sie hatten es wohl schon so kommen sehen 😉 Aber bevor wir weitermachen, lassen Sie mich kurz die Begrifflichkeit „spirituell“ erklären, damit wir eine Sprache sprechen: Die meisten Menschen, mit denen ich im Gespräch bin, verstehen Spiritualität als nicht-konfessionelle Haltung, die sich dennoch an etwas Göttlichem orientiert, dies aber nicht zwingend im Rahmen einer Religion. Es werden für das Göttliche diverse Entsprechungen synonym verwendet, z.B. „Universum“, „Quelle“, „Alles was ist“ und viele mehr. Viele Menschen haben ihren eigenen Weg gefunden, orientieren sich an einzelnen Aspekten unterschiedlicher Religionen oder Philosophien und versuchen durch tägliche Praxis, eine Verbindung zu etwas „Größerem“ zu fühlen und herzustellen.

Es bleibt jedem selbst überlassen, ob er sich Meditationen öffnet (ich tue das und kann es nur empfehlen, wenn Sie geistig zur Ruhe kommen wollen), ob er visualisiert (ich halte inneren Bilderreichtum für sehr wertvoll) oder Körperübungen wie Yoga praktiziert (es hilft, körperlich und seelisch!!). Aber wirklich unverzichtbar ist die regelmäßige spirituelle Praxis in Alltagssituationen, die geistige und seelische Ausrichtung, die man einnimmt und die entscheidet, wie man Herausforderungen begegnet.

Meist sehr sensible Menschen hadern mit sich, wenn ihnen spontan ein anderer unangenehm ist oder sie dauerhaft keinen Draht zu ihm finden. Nach meiner Meinung ist es zutiefst menschlich, wenn wir auf andere mit Ablehnung reagieren. Ich finde das nicht verwerflich, sondern sehe das als Zeichen eines gesunden Instinkts, der uns urmenschlich signalisiert: „Achtung, Gefahr!“ Vor allem, wenn wir schon einmal etwas Negatives mit der Person erlebten. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass es maßgeblich auf unsere Reaktion auf den Menschen und die mit ihm verbundenen Umstände ankommt, wie schnell wir auf unserem spirituellen Pfad vorankommen.

Mir hilft die Vorstellung, dass alle Lebewesen eine Verbindung miteinander haben. Ich glaube an eine göttliche Essenz in uns allen und denke, manchen Menschen ist sie mehr bewusst als anderen. Im letzteren Fall fühlen sich diese allein, agieren gelegentlich „unmenschlich“ und benehmen sich wie ein unbeachtetes und damit ungezogenes Kind. Jede Machtausübung, jede Intrige, jede Verurteilung, Verhöhnung von anderen, Nichtbeachtung der Würde seiner Mitmenschen, gehören für mich dazu.

Diese Betrachtungsweise fördert mein Mitgefühl … führt aber im Ergebnis nicht zwingend dazu, dass ich diesen Menschen mag. Ich glaube, das wird im spirituellen Sinn auch nicht von mir verlangt, sondern eher, dass ich nicht mit gleichen Methoden zurückschlage und mich daran erinnere, dass der Mensch anders handeln würde, wenn er dazu in der Lage wäre.

Aus meiner Sicht gehört zu dem Versuch eines spirituellen Lebens auch, sich zu fragen, ob man dem anderen nicht seine eigene Story überhilft. Ich habe zum Beispiel eine Bekannte, die erinnert mich sehr an die schlechteren Eigenschaften meiner Mutter: Sie ist jammrig, schuldzuweisend, bedürftig, manchmal übergriffig und verurteilend … Ich sehe die traurige Lebensgeschichte meiner Bekannten, die sie zu ihrem Verhalten veranlasst. Das tut mir leid. Ich erkenne die Parallelen zu der Beziehung zu meiner Mutter und es tut mir leid, dass ich diese meiner Bekannten anhänge. Sie kann ja nichts dafür. Und dennoch will es mir nicht gelingen, sie sympathisch zu finden. Dann ist das eben so und etwas in mir braucht diesen Abstand, bis ich die Geschichte mit meiner Mutter besser verarbeitet habe. Ich akzeptiere das.

Ich würde anders handeln, wenn ich könnte. Und ich möchte das lernen. Das zu erreichen, sehe ich als Teil meines spirituellen Pfades. Und es wird ein Teil des ihrigen sein, wenn Sie sich weiterentwickeln wollen. Das ehrliche Bemühen zählt.

Entscheiden Sie, wie Sie das machen wollen, ob eher mit der „Fuck it!-Methode“ oder indem Sie Ihre Sichtweise ändern. Meine Empfehlung für Sie, auch aus dem Wunsch heraus, dass Sie nach Ihren Schimpfkanonaden Ihr Leben nicht alleine fristen müssen, wäre …

Move Your Life!

 

Foto: Luna Vandoorne/Shutterstock.com

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