Seit meine Jungs in der Ausbildung sind, bin ich wie gerädert. Nach der ersten euphorischen Phase, dass sie ihren Wunschausbildungsplatz gefunden haben, stehe ich kurz vor dem Burnout. Dunkle, tiefe Augenringe umranden unheilschwanger meine Augen. Tiefe Furchen haben sich in meine hohlen Wangen gegraben. Meine Haare hängen lustlos – noch grauer als sonst – an mir herrunter. Warum? Ab 4.00 Uhr morgens klingeln hier die Wecker im Minutentakt!

  • 4.00 Uhr: Wecker 1 von unserem Zweitgeborenen alarmiert das ganze Haus, nur nicht unseren Sohn, der zur Frühschicht ins Krankenhaus muss. Nach gefühlten Stunden snoozt der Wecker weiter bis 4.10 Uhr und wird – ausgestellt, DENN es besteht eine letzte Chance auf eine kleine Rast bis Wecker 2 um 4.15 Uhr an einem vom Bett weit entfernten Standort einen notfallartig anschwellenden Ton verlauten lässt. Bis dieser abgestellt wird, ist auch der Rest des Wohnhauses aufgewacht und in eine Schockstarre verfallen, ob es mit diesen terrorartigen, evakuierungsähnlichen Tönen nun vorbei ist. Ich selbst bin total angespannt, weil ich nicht weiß, ob ich gleich tiefe Atemgeräusche höre oder das erleichternde Geräusch der Dusche. Im letzteren Fall schlummere ich leicht weiter bis zur liebevollen Verabschiedung meines Sohnes. Bei friedlicher Morgenstimmung springe ich aus dem Bett und ersetze frauhaft Wecker 3, was mir nach der Aufregung ein Einschlafen unmöglich macht.
  • 5.15 Uhr: Das Mobiltelefon von unserem erstgeborenen Zwilling kläfft und wird im Halbschlaf in den Snoozemodus befördert. 15 Minuten später kläfft er zuverlässig erneut und wird zeitnah ausgestellt. Gott sei Dank, klingelt ja noch Wecker 2 … wenn er gestellt wird. Es ist das gleiche Modell wie bei Sohn Nr. 1, so dass alle Menschen im Haus, die nach dem ersten Alarmterror erleichtert wieder eingeschlafen sind, erneut aus ihren Betten fahren. Ob unsere Nachbarn bereits wissen, dass unsere Familie dafür verantwortlich ist, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. An manchen Tagen kommt mir die Atmosphäre im Hausflur frostiger vor als sonst. Es kann aber auch einfach an meinem Schlafentzug liegen, dass ich Dinge übersensibel wahrnehme. Jedenfalls wiederholt sich hier die Prüfstrecke wie zuvor: Hört man was nach dem Klingeln? Ja? Check Nein? Dann: Aufspringen, rüberwanken, energisch das Aufstehen einfordern, Duschgeräusche erhoffen …

Jaja, ich weiß, die Jungs sind ja schon groß und sollten das selbst schaffen. Das tun sie auch ganz oft, nur manchmal eben nicht. Und diese Manchmals machen mich fertig.

Mein Mann sprach mich kürzlich an – auch mit Augenringen und irgendwie schleppender Aussprache: „Findest du nicht auch, es ist wie damals, als die Jungs gerade geboren wurden. Wir haben nachts kaum ein Auge zugemacht!“

„Nein, es ist schlimmer, viel schlimmer“, antwortete ich heiser. „Wir waren damals viel jünger, die Jungs haben um 19 Uhr geschlafen (heute freue ich mich, wenn vor Mitternacht alles ruhig ist) und wir hatten einfach mehrere Stunden Schlaf am Stück.“ Mein Mann nickte betrübt.

In diesem Moment fiel mir Gianna Nannini ein, die mit 54 Jahren Mutter geworden war. Du meine Güte, wie mag es ihr wohl heute gehen? Ich googelte schnell mal, ob es vielleicht einen Nachruf im Internet über sie gab, gestorben an unmenschlichem Schlafentzug. Nein, ihre kleine Penelope scheint pflegeleicht zu sein, zumindest sieht Gianna altersentsprechend gut aus (vielleicht retouchiert?). Gute Gene vermutlich.

Na, gut, was tun? Ich versuche es mit einer postiven Grundstimmung: Wie sage ich immer so schön?

Move Your Life … to Love and Joy! (Genau und darum snooze ich jetzt erstmal weiter)

 

Foto: busbus/www.rawpixel.com

 

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