Der Begriff der Selbstliebe ist in aller Mund – auch in meinem. Aus gutem Grund (der Reim ist unfreiwillig!): Wenn ich es nicht mal schaffe, mich zu lieben, wie dann jemand anderen? Selbstliebe ist zweifellos wichtig. Aber wie liebe ich mich selbst? Reicht die Affirmation „Ich liebe mich wie ich bin“, drei Mal täglich wie eine magische Beschwörungsformel ausgesprochen – am besten vor einem Spiegel – tatsächlich, um mich ganz toll und liebenswert zu finden?

Möglich ist es, allerdings wirkt es bei mir meistens nicht. Jedenfalls nicht dann, wenn ich aus einer Sicht des Mangels auf mich blicke, wie „Eigentlich bin ich ja zu … (faul, dick, blöd … bitte ergänzen, was du so über dich denkst) aber ich liebe mich ganz doll!“ Wirklich?

Ich habe eine gute Bekannte, die immer dann, wenn etwas Negatives ausgesprochen wird, ganz aufgeregt wird. „Das darfst du nicht sagen, das ist eine ganz schlechte Affirmation. Du musst das Positive sehen.“ Da hat sie zweifellos recht. Selten ist etwas wirklich nur scheiße, traurig oder ärgerlich und hat auch einen positiven Aspekt. Manchmal ist es aber GENAU SO und da hilft es nicht, wenn ich rosarote Zuckersauce drübergieße und das, was mich so belastet, auf einmal ganz toll finden soll.

Und mit der Selbstliebe verhält es sich ebenso.

Weißt du, woran du erkennen kannst, ob du gerade im Modus der Selbstliebe bist oder nicht? Am Zustand der inneren Spannung, die du empfindest, wenn du etwas Gutes über dich sagen willst – der Maßstab ist der Widerstand. Siehst du dir also vor dem Spiegel tief in die Augen, gurrst „Ich liebe dich“ und fühlst stattdessen: „Stimmt gar nicht, ich finde dich w-i-d-e-r-l-i-ch!“, dann erschrick nicht, sondern mach Folgendes:

Hole alles Widerliche, das du für dich empfindest, hervor, ungefähr so:

„Ich hasse dich für deine Unentschlossenheit, deine Wut, dass du dich herumschubsten lässt, dass du Angst hast vor der Ablehnung anderer, Angst vor morgen, Angst, dass dir das Gleiche wie gestern noch mal passiert, dass dir nicht egal ist, was andere über dich denken, dass du zu dick bist, dass du deine Speckrollen nicht akzeptierst, wo du doch Body Positivity toll findest, dass du (nicht) abgetrieben hast, dass du deine Zeit nicht besser nutzt.“

„Ich bin wütend auf dich, weil du andere kritisierst, dass du dich damals für xyz entschieden hast, statt was anderes zu machen, ich hasse dich, weil du so jammerst, dich bemitleidest, einfach weitermachst, es machst, wie die anderen, sie dafür verurteilst, nichts änderst aus Angst vor …“

„Ich bin so wütend auf (…), dieser Verrat, diese Gemeinheit, diese Ungerechtigkeit, diese Nichtachtung, dieses Mobbing … ich platze vor Wut auf … (Name Lebenspartner), weil er nur an sich denkt und ich bin wütend auf mich, weil meine Wut auf ihn nur meine Unfähigkeit zeigt, nicht netter zu mir selbst zu sein und ich trotzdem auf ihn wütend bin, auf den Scheißnachbarn, der immer laute Musik hört.“

„Ich habe solche Angst, ich bin jetzt arbeitslos, ohne Partner, dreimal geschieden … die Zeit läuft mir davon, schaffe ich alles, was ich will? Was will ich? …“

So, oder so ähnlich, könnte deine Anklage lauten. Du kannst sie schreien, jammern, denken, seufzen, brüllen, dazu toben, um den Block rennen, Punkrock anmachen und herumstampfen, du kannst sie auch zögernd sagen – aber: Sag sie! Und höre dir zu! Wirf nicht gleich das Mäntelchen der Positivität drüber. „Das darf man nicht!“, „So will ich nicht sein!“ Klar, versteh ich. Aber das bist du auch.

Erst wenn du das anerkennst, kann das kleine Pflänzchen der Selbstliebe wachsen. Erst wenn du in den Spiegel schauen kannst, ohne zu erschrecken, wirst du anfangen, dich zu lieben. Es ist ein „Ja“ zu dir. Dieses „Ja“ kann dir niemand anderes geben. Du würdest ihm nicht glauben. Dir selbst musst du glauben!

Dieses „Ja“ führt vielleicht dazu, dass du behutsam beginnst, etwas zu ändern, was du gern anders in deinem Leben hättest. Du weißt nun, was es ist und wo du hinmöchtest. Du verstehst auch deine Angst vor Veränderung und erkennst, warum es in der Vergangenheit vielleicht nicht geklappt hast. Du verstehst dich. Und machst dir Mut. Freust dich mit dir über kleine Fortschritte. Oder du verstehst, warum du trotzdem auf deinem Platz im Leben bleibst. Ja!

Dieses „Ja“ führt dann auch dazu, dass du anderen das Gleiche zugestehen kannst, wie dir. Wozu sie verurteilen, wo sie doch nur die gleichen Probleme haben wie du? Ja, sie nerven dich vielleicht trotzdem. Ja, du bist verletzt. Ja!

Lerne dich kennen. Lerne, dich zu akzeptieren. Suche das „Ja“! So wie ich heute Morgen. Da sagte ich zu mir: „Ich liebe dich, du Miststück!“

Move Your Life … to Love and Joy!

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