Vor einigen Tagen fiel mir ein Notizblockzettel mit der Aufschrift „Iesch hap diesch liep, Mami“ aus einem Buch entgegen – und sofort lächelte jede Pore meines Körpers. Als meine Jungs in der Schule das Schreiben lernten, bekam ich ganz viele liebevolle Nachrichten von ihnen: „Entschtulltike, das wier so vrech warn“ oder „Mach dier kein sorgen, wier sint spatzirn“.

All diese wunderbaren Nachrichten sind in unserer großen Bücherwand versteckt. Ich benutze sie als Lesezeichen und so ist die Freude riesig für mich, wenn ich ein Buch aufschlage und darauf stoße. Vor Jahren habe ich es mir zur Angewohnheit gemacht, sie im gerade gelesenen Buch zu belassen. Und so finden sich schöne Erinnerungen in Form von Notizen meiner Kinder, Fotos, Grüße meiner Freunde und Bekannten, Kalenderblätter und schöne Geburtstagskarten in vielen Büchern. Hab ich mal einen stimmungsmäßigen Hänger, stelle ich die Leiter an unser Regal und greife wahllos mal hierhin, mal dorthin. Und in relativ kurzer Zeit ist mein Stimmungsbarometer deutlich gestiegen. Versuchen Sie doch mal, ob das auch etwas für Sie sein könnte 🙂

Falls Sie akute Aufheiterung benötigen, hab ich hier ein kleines Trostpflaster für Sie:

Vor einigen Tagen brachte Karim folgenden Brief eines 7-jährigen amerikanischen Mädchens an seine Mutter aus der Schule nach Hause, den sie im Unterricht besprochen hatten. Ebenso wie er und Yannik schrieb dieses Mädchen ihre Worte so, wie sie sie hörte in Lautschrift. Schon allein das Dechiffrieren (dann noch aus einer Fremdsprache heraus) war aufregend, aber genauso waren es ihre Fragen –  und vor allem ihre Antworten, die sie fand:

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Wer bin ich? Worum geht es in dieser Welt? Warum bin ich hier? Vielleicht fragen sich viele Kinder diese Fragen. Hier sind die Antworten:

  1. Du bist hier, um diese Welt zu lieben.
  2. Es geht um Liebe in dieser Welt.
  3. Du bist die wundervollste Person in dieser Welt

Ich liebe dich

Kinder sind so umwegslos, klar und selbstverständlich. Sie zweifeln nicht an sich. Ich liebe das. Als Erwachsene verlieren wir oft diese Fähigkeit, finden keine klare Antworten oder ziehen falsche Schlüsse, verbittern, sind traurig, mutlos oder vergessen zu leben.

Vor ein paar Tagen las ich in einem Buch „Manche Menschen sterben mit 18 und werden mit 88 beerdigt“. Wow! In der Tat erlebe ich oft, dass Menschen ihr Leben einrichten, als hätten sie unbegrenzt viel Zeit, als käme der Tod nur zu anderen. Manchmal scheint mir, sie hätten Angst, ihr Leben wäre quasi verflucht, wenn sie seine Endlichkeit begriffen. Dabei ist es genau andersherum: Die Akzeptanz, dass wir sterblich sind, lässt uns end – lich – und hoffentlich nach unseren eigenen Vorstellungen – leben.

Aber kommen wir noch einmal zurück auf die wichtigen philosophischen Betrachtungen der kleinen Amerikanerin. Wie würde meine Welt aussehen, wenn ich lebte, wie sie es vorschlug? Vielleicht so:

1. Du bist hier, um die Welt zu lieben

Montagmorgen: Mein Wecker klingelt um 5.30 Uhr und voller Freude realisiere ich, dass ein neuer, unberührter Tag beginnt: Aktives Leben, Gestaltungsmöglichkeiten, neue Erfahrungen, liebe Gewohnheiten … Der Tag liegt vor mir wie frisch gefallener Schnee, in dem ich meine Fußspuren sichtbar machen kann. Ich bin gesund und dankbar für die Möglichkeiten, die mir ein gesundes Leben ermöglicht und die Sorglosigkeit, die damit einhergehen kann, wenn ich sie mir gestatte. Mein Mann, meine Kinder, meine Freunde … ich bin reich beschenkt mit liebevollen Seelen, die mich begleiten und  mit denen ich lernen, mich des Lebens freuen und die ich lieben darf. Meine Arbeit macht mir Freude. Der Vogel vor meinem Fenster auch. Der Einkaufswagen enthält so viele schöne Dinge, die ich gerne mag. Die Blumen in unseren Vorgärten blühen in satten Farben, die Sonne bringt italienische Momente im späten Sommer. Abends draußen sitzen, Käse, Brot und Nudeln auf dem Teller, Rotwein im Glas, Wind im Gesicht, herzliches Schweigen. Die Welt ist wunderbar.

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 2. Es geht um Liebe in dieser Welt

Ein anderer Morgen: Mein Wecker klingelt um 5.30 Uhr. Leichten Herzens stehe ich auf, weil ich weiß, dass ich Menschen in meinem Leben habe, um die ich mich kümmern möchte, weil sie mir viel bedeuten. Nachdem die Wecker meiner Kinder sie offensichtlich nicht aus dem Bett warfen, übernehme ich den Job. Den Gedanken, meine Emanzipation nicht vollständig verwirklicht zu haben, schiebe ich als blödsinnig beiseite, während ich die Frühstücksboxen fertig mache. Ich stelle mir vor, wie sie sich  beim Essen des Pausenbrots bewusst werden, dass gut für sie gesorgt ist und fühle mich mit ihnen verbunden. Mein Mann, meine Kinder, meine Freunde … ich bin reich beschenkt mit liebevollen Seelen, die mich begleiten. Wir lernen das Leben in all seinen Facetten kennen, wir wachsen gemeinsam und erinnern uns immer wieder gegenseitig daran, dass die Liebe das Wichtigste ist. An Tagen, an denen wir die Schönheit des Lebens nicht sehen können, machen wir einander darauf aufmerksam, indem wir füreinander da sind. Ich weiß, sie lieben mich ebenso wie ich sie.

Ich schicke ihnen kleine Nachrichten per WhatsApp, bekomme liebevolle Antworten, nehme eine Portion mehr vom Kuchen mit ins Büro, halte dem Nachbarn die Tür auf, der erst überrascht ist, dann lächelt und ein wenig beschwingter weitergeht. Die Kassiererin an der Kasse strahlt über mein Kompliment und begrüßt mit einem netten Wort den nächsten Kunden. Ein junger Porschefahrer überlässt mir charmant die Vorfahrt. Die Welt ist wunderbar.

3. Du bist die wundervollste Person in der Welt

glückliche Frau im Feld

 

Ja, das bin ich! Neben dir und neben Ihnen! Jeder von uns ist auf seine Art wundervoll und einzigartig. Nur wenn ich ganz ich selbst bin, mich nicht verstelle, um anderen zu gefallen, mir selbst bewusst bin und liebevoll aus meinem Herzen handele, erkenne ich das in mir. Und in dir. Und in Ihnen.

Doch, es ist so! Wiegeln Sie nicht ab. Zweifeln Sie nicht. Kinder lügen nicht. Sie wissen es noch: Du bist die wundervollste Person in der Welt. Erkennen Sie das an und Ihre Welt ändert sich.

Move Your Life!

 

 

Fotos:
Kinder: FamFeld, Shutterstock.com, Blätter: allstars/Shutterstock.com, Vögel: Julia Kuznetsova/Shutterstock.com, glückliche Frau: My Good Images/Shutterstock.com

2 Kommentare
  1. Helmut K.
    Helmut K. sagte:

    Liebe Manuela,
    habe heute in Deinen Blogs gelesen. Besonders berührt hat mich, wie Du die kleinen schriftlichen Liebesbeweise kleiner Kinder, speziell der eigenen, beschreibst. Wir haben auch eine Reihe solcher Liebesbeweise unserer beider Jungen aufgehoben, und wenn sie uns in die Hände fallen, sind wir glücklich, daß aus ihnen tolle gestandene Männer geworden sind und wir immer noch ein tolles Verhältnis zu beiden haben. Wir lieben uns alle sehr !
    Herzliche Grüße
    Helmut

  2. Manuela Luther
    Manuela Luther sagte:

    Lieber Helmut, was für eine liebevolle und schöne Nachricht! Gibt es Schöneres, als das sagen und fühlen zu können?!! Es berührt mich sehr. Herzliche Grüße, Manu

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