Bitte verzeihen Sie, ich konnte der Versuchung einfach nicht wiederstehen, mit diesem tollen Satz meinen heutigen Blog zu beginnen. Im Jahr 2007 gewann er bei einem von der „Initiative Deutsche Sprache“ und der „Stiftung Lesen“ veranstalteten Wettbewerb den ersten Platz. Gesucht wurde der schönste erste Satz in der deutschsprachigen Literatur. Günter Grass hat ihn geschrieben mit „Ilsebill salzte nach“ aus dem Buch „Der Butt“, weil diese drei Wörter „so viel Lust auf das Weiterlesen wecken“. Also, ich hoffe, es wirkt und Sie sind nun voll motiviert?!

Gerade war ich mit meiner Familie für ein paar Tage in Lübeck in Urlaub. Wir haben ganz viel unternommen, waren in Scharbeutz, am Timmendorfer Strand, erfreuten uns an den freundlichen Lübeckern, weniger an den oft grimmig aussehenden Touristen, waren irritiert ob der Horden von Pokémonsuchenden, genossen die schöne Altstadt, ach ja, und bei einer (diesmal fachlich fundierten!!!) Thaimassage waren mein Mann und ich auch. An dieser Stelle: Danke, für Ihre vielen Kommentare zu unserem Wellnesserlebnis von letzter Woche, ich freu mich, dass Sie auch Spaß dran hatten … 😉

Leicht regnerisches Wetter nutzten wir zu einem Besuch im „Günter-Grass-Haus“, daher meine Reminiszenz an „Ilsebill“. Ich war sehr begeistert von diesem Museum, wie lebendig und vielseitig es den Besucher über Grass´ Leben und Werke informierte, was für ein vielseitiger Künstler er war: Grafiker, Bildhauer, Maler, natürlich Schriftsteller war er und er arbeitete auch als Steinmetz. Wenn Sie mal in Lübeck sind, gehen Sie vorbei. Dann erfahren Sie auch, dass Schlümpfe für Günter Grass` durchaus eine künstlerische Bedeutung hatten …Vielleicht werden Sie auch hier schon fündig.

Unsere Sinne erfreuten wir anschließend im Marzipan-Museum. Verwundert erfuhr ich, dass noch bis ins 16. Jahrhundert Marzipan nur auf Rezept in der Apotheke erhältlich war. Und das lag vor allem an den benutzten Gewürzen, die damals ausschließlich über Apotheken zu beziehen waren. Marzipan als Medikament – wunderbar. Irgendwann wurde es dann zur Süßspeise erklärt und ist seitdem frei erhältlich. Gott sei Dank! Unsere Dosis nahmen wir im angrenzenden Café Niederegger zu uns. Mögliche Nebenwirkungen können Sie der Anzeige meiner Personenwaage entnehmen …

Ja, und nun habe ich sturmfreie Bude!! Ein weiterer Urlaub sozusagen. Meine Männer haben mich zum Hamburger Bahnhof gebracht, ich bin nach Berlin gefahren und sie sind mit dem Auto Richtung Calais zwecks Fährfahrt nach England weitergefahren. Männerurlaub! Viel Spaß!! Ich bin voller Pläne. Freunde, Kollegen und Nachbarn grüßen nett: „Auch mal schön, so ganz alleine, nicht?!“ Aber ja, ich nicke begeistert.

Wissen Sie, ich bin total gern mal allein. So für mich. Nichts kochen oder wenn doch, dann Manuelaspezialessen wie Gemüsepfanne mit Käse oder Gemüsepfanne mit anderem Käse.

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Deutlich reduziertes Einkaufen, an meinem alleinigen Geschmack orientiert. Der Kühlschrank sieht gerade aus wie meine persönliche Wohlfühloase, mein Oz, ein Xanadu der ernährungsbewussten und dennoch genießerisch schlemmenden Frau: Gemüse, Käse, Obst, Joghurt, Gemüse und anderer Käse … Das Foto zeigt einen Schnappschuss einer alltäglichen Szene aus dem Innenleben meines Kühlschranks.

Die Wohnung – ein Ort der Kontemplation: Keine unaufgeräumten Zimmer. Keine frischen Zahnpastaflecken oder Wassertropfen auf dem frisch polierten (RIESIGEN) Badezimmerspiegel. Keine Kampfschreie aus Karims Zimmer, weil ein Minecraftmitspieler sich unangemessen verhält. Keine Rapsongs aus Yanniks Zimmer „Aaaaaw, bitch!“ (nein, nicht ich), „Für immer Sohn unter Hurensöhne“ (nein, nicht er!). Kein spätes Abendessen kurz vor dem Hungertod der Restfamilie, weil der fleißigste Ehemann von allen im Büro noch „etwas ganz Wichtiges“ zu Ende bringen muss oder jemand noch etwas „Unaufschiebbares“ von ihm benötigt. Keine mitternächtlichen Debatten zwischen Vater und Söhnen, dass nun doch mal Ruhe einkehren solle und Mom ihre Ruhe bräuchte (während diese sich gerade theatralisch Stöpsel in die Ohren stopft und eine Schlafbrille aufsetzt). Wohlfühloase, Oz, Xanadu im gesamten Wohnbereich … Aaaaw!

Schon in der Bahn nach Berlin stand ich mit meiner Familie im engen WhatsApp-Kontakt. Wie gut, dass ihre Fahrt planmäßig verlief, aber als ich dann mal zwei Stunden nichts hörte, machte mich das doch sehr nervös. Erleichtert konnte ich abends ins Bett gehen, nachdem sie gut angekommen waren. War ganz schön still in der Wohnung!

Bei der Fahrt ins Büro ertappte ich mich heute Morgen dabei, dem Text des Rapsongs im Autoradio zuzuhören. Coole Line! Haftbefehl? Sido? Kollegah? Yannik wüsste es. Ach, und dieses Video ist echt witzig, wird ihm bestimmt gefallen:

Mein Kollege ist so lieb und gibt mir eine Kostprobe eines indischen Gerichts: „Danke, Ralph, echt lecker.“ Das schmeckt bestimmt auch meinem Mann!

Oh, mein Gott, was lese ich gerade? Nigel Farage will Donald Trump unterstützen. Nach dem Referendum der Briten über den Verbleib in der EU hat Farage keine Gelegenheit ausgelassen, seine rechtspopulistischen Positionen darzulegen: Überfremdung, Angst vor Ausländern usw. Hoffentlich liest Karim das nicht, er kann sich sonst ja gar nicht in England erholen.

Ab dem Wochenende wird´s dann richtig eng in meinem Terminkalender. Ach, nein, nicht was Sie glauben, nix Party, keine Kultur. Irgendwie fehlt mir der Antrieb. Ich habe mir stattdessen einen gründlichen Hausputz vorgenommen und Herbstbepflanzung der Vorgärten. Dann noch einkaufen all der Sachen, die meine Familie so mag und, ja, einen Kuchen werde ich wohl auch noch backen. Und zwischendurch immer mal auf´s Handy gucken …

Ich merke, dass die Abwesenheit meiner Familie ein schlechter Zeitpunkt für eine freiwillige Medienabstinenz ist: So viele Nachrichten mit „Ich vermisse dich“ und „Ich hab dich lieb“, mit Berichten was toll ist und dem jeweils anderen vermutlich auch gefallen würde – hin und her und zurück.

Ursprünglich dachte ich, ich würde es genießen, wenn ich mich mal nur um mich selbst kümmern könnte. Das tue ich zweifellos. Aber ich genieße es auch, meine Familie zu vermissen 🙂

Um mich daran zu erinnern, wenn sie wieder da sind, werde ich mir einen Zettel auf den Nachttisch legen. Wenn der Geräuschpegel in unserer Wohnung die Toleranzwerte des Flughafens Tegel überschreitet, werde ich lesen: Nimm´s nicht so schwer!

Move Your Life!

 

Fotos:
Rettungsring: Lisa S/Shutterstock.com
Banane+Möhre Jamen Percy/Shutterstock.com

 

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