Manuela Luther

Vor einigen Wochen landete eine Mail von sheego in meinem Postfach: Für das Jahr 2017 würden Kurvenstars gesucht, die Lust hätten, sich in einem Kalender zu präsentieren. Sofort hatte ich Bilder von mir als „Kalendergirl“ im Kopf, das sich mit Pampelmusen (oder eher großen Orangen??) als Sichtschutz vor den primären sexuellen Merkmalen – ansonsten nur leicht bekleidet – vor der Kamera ablichten lässt. Ich war spontan sehr erheitert, denn die Bilder kamen mir aus dem gleichnamigen Film. Kennen Sie den? Sehenswert, schon allein wegen der tollen Schauspielerinnen!

 

Nein, so ein Kalendergirl wurde nicht gesucht, sondern Frauen, die sich mit ihrer Figur wohl fühlen und dies auch zeigen wollten. Ja, eigentlich wäre das was für mich, schon witzig, so etwas zu machen, aber, ich weiß nicht, … lieber doch „entf“ gedrückt, ab in den Papierkorb.

 

Nach einiger Zeit brauchte ich etwas zum Anziehen, loggte mich bei sheego ein und  – Mensch, stimmt ja, sie suchen Kurvenstars für einen Kalender. Kurrrrvenstarrrr … Hmmm, klingt toll, finden Sie nicht? Innerlich sah ich mich extrem weiblich und mit Klasse, als Diva mit Herz, posierend im langen Kleid, fließender Stoff, betonte Sanduhrfigur … Doch, ja! Ich las mir durch, was von einer Bewerberin erwartet wurde: „Ja, bin ich, bin ich auch, hab ich“, checkte ich innerlich ab … „Okay, jetzt aber nicht“, entschied ich dann etwas gestresst, bestellte schnell und ging zum Tagesgeschäft über. Irgendwie ging mir die Idee des Kurvenstars Kalenders aber nicht mehr ganz aus dem Kopf, obwohl ich eine Bewerbung nicht näher ins Auge fasste.

 

Ein paar Wochen später, im Newsletter von sheego: „In zwei Tagen endet die Bewerbungsfrist für die Kurvenstars 2017.“ Was? Ach, du Güte. Was mach ich denn? Soll ich mich bewerben? „Mach das“, sagte meine innere Stimme. „Das ist doch DIE Aktion, die beweist, dass du „Move Your Life“ selbst ernst nimmst.“ Stimmt. Warum also nicht? Nach Jahren der Selbstkasteiung und –ablehnung hatte ich mich vor etlicher Zeit dazu entschieden, keine Diät mehr zu machen, nicht ständig darüber nachzudenken, was ich anziehen könnte, um meine „Problemzonen“ zu kaschieren, sondern zu akzeptieren, dass Size Zero für mein Leben einen ähnlichen Realitätsgehalt hat, wie Regenbogen pupsende Einhörner. Seitdem führe ich ein Leben, mit dem ich mich wohl fühle, finde mich, je nach Tagesform, mal mehr, mal weniger schön. Aber insgesamt gefalle ich mir. Dann los!

 

Ich suchte ein Portraitfoto von mir und ein Ganzkörperbild, das kurz zuvor bei einer Feier entstanden war, lud die Dateien und einen kurzen Bewerbungstext hoch: „Kurvenstars müssen nicht unbedingt Anfang 20 sein“ … und drückte auf „senden“. img_3981Meiner Familie schrieb ich ganz cool in die Family-What´sApp: „Ich hab mich als Kurvenstar beworben.“ Die reagierte freundlich und anerkennend.

 

Nach einigen Wochen las ich im Mail-Postfach: „sheego Kurvenstars Kalender – deine Bewerbung“ und erwartete ein freundliches Anerkennungsschreiben für meinen Mut und eine Absage. Stattdessen stand da:

 

Liebe Kurvenstars­­­-Kandidatin,

du hast dich als Model für den sheego Kurvenstars Kalender 2017 beworben. Und, du bist unter den 100 Kandidatinnen, die sich in der nächsten Runde mit einem kurzen Video bei der Jury vorstellen. Herzlichen Glückwunsch! …

 

Boh! Nun sollte ich ein kurzes Video einreichen, damit mich die Jury besser kennenlernen könne. Sehr detailliert standen dort die Anforderungen, auch die technischen. Himmel, gut dass mein Sohn Yannik sich mit solchen Dingen auskennt, er würde mir helfen.

 

Gesagt, getan und gleich am nächsten Wochenende umgesetzt. Wir hatten total viel Spaß. Normalerweise begegnen wir uns nicht als Fotograf und Model und die normale Hierarchie zwischen Mutter und Sohn bekam erhebliche Dämpfer. „Nee, das bist du nicht.“ „Sei doch einfach normal.“ „Willst du noch was machen?“  – so erklangen seine Anweisungen und nach kurzer Zeit lachten wir uns ziemlich kaputt. Kaum zu Hause fügte er die kleinen Videos zu einem ganzen, blendete hier über, schnitt da etwas heraus und brachte es fertig, dass es mit 58 Sekunden unter der geforderten Minute Länge blieb. Hochgeladen bei sheego. Fertig.

 

Einen Tag vor unserer Abreise nach Lübeck, klingelt mein Handy: „Ja, hallo, hier ist sheego, Sie denken sich wohl, warum ich anrufe?“ Ich hab ein Brett vor dem Kopf und antworte erstmal mit „nein“. „Na, dann kann ich Ihnen jetzt gratulieren, Miyabi Kawai und Kristian Schuller haben Sie unter den eingesendeten Videos für das Kurvenstars Fotoshooting in Berlin ausgewählt. Herzlichen Glückwunsch!“ Ob ich den Gewinn annähme? Aber ja!! Ich bin ziemlich gethrillt und meine Familie ist es auch. Insgesamt haben sich 2.300 Frauen beworben und ich bin eine der 18, die zu einem Fotoshooting mit Kristian Schuller dürfen. Wow!

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Am 10. September ist das erste Shooting in Berlin, bei dem ich dabei bin. An insgesamt drei Tagen werden je sechs Finalistinnen gestylt und fotografiert. Am Vorabend des Shootings treffen wir Bewerberinnen uns mit den Organisatoren von sheego zum Kennenlernen. Sehr nette Frauen, sehr nette Stimmung. Ich freue mich auf den nächsten Tag …

 

… der einfach großartig wird. Treffen schon um 7.15 Uhr zum gemeinsamen Frühstück, dann viel Organisatorisches, anschließend das erste Styling, das erste Shooting. Als ich dran bin, bin ich wundersamerweise noch immer ganz entspannt und lasse mich völlig in die ungewohnte Situation fallen. Ich fühle mich als Teil eines Teams. Jeder kann nur so gut sein, wie der andere es zulässt. Alle Zahnräder greifen ineinander, die Stimmung ist hochkonzentriert und trotzdem locker. Ich habe kein Zeitgefühl, alles fließt.

 

Als ich die Fotos von mir sehe, bin ich sprachlos. Der Fotograf, Kristian Schuller, hat Facetten in mir entdeckt, von denen ich nicht wusste, dass sie da sind. Aber ich erkenne: Ja, das bin ich auch. Ich fühle mich, als hätte ich mich neu kennengelernt.

 

Ich bin den Rest des Tages sehr happy und mir selbst so dankbar, dass ich die Bewerbung abschickte und mir nicht selbst einredete, das Ganze sei aussichtslos. Nie wäre ich in den Genuss dieses wundervollen Tags gekommen und hätte mich selbst eines ganz neuen Blicks auf mich beraubt. Nicht auszudenken!!

 

Stattdessen freue ich mich nun auf die Auswahl und Prämierung der Kurvenstars nächste Woche in Hamburg und werde wieder neue außergewöhnliche Eindrücke mit nach Hause nehmen. Ist es nicht wunderbar, in Bewegung zu bleiben und Neues zu wagen?

 

Move Your Life!

Fotos: Pirell/Shutterstock.com, Yannik Luther, sheego

2 Kommentare
  1. Jacqueline D.
    Jacqueline D. sagte:

    Ich bin ganz von den Socken, Manuela! Eine superschöne, flüssig und teilweise hochkomisch (hab zweimal laut losgelacht!) geschriebene Story mitten aus dem und für das Leben 😊.
    Schön, dass auch ich dich nun kennengelernt habe 😘!

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