Manuela Luther

10.39 Uhr, Abfahrt Berliner Hauptbahnhof. Erleichtert lasse ich mich in den Sitz des Zuges fallen, der mich nach Hamburg bringt – zur Kurvenstars-Prämierung von sheego. Bis gestern war es noch fraglich, ob ich überhaupt würde fahren können. Eine heftige Erkältung hatte mich Sonntag einfach aus dem Alltag ins Bett geworfen: Schüttelfrost, Fieber, Husten, wie Bello, der Hofhund, alles tat weh. Als ich so hilflos rumliege und nichts tun kann, wird mir bewusst, wie aktiv und voller Leben meine Tage meist sind. Normalerweise als total selbstverständlich hingenommen, merke ich nun, dass es dies gerade nicht ist. Ich entschließe mich, meinem sonst so verlässlichen Körper die Zeit zuzugestehen, die er braucht, um sich zu erholen. Es hilft ja nichts, ich werde akzeptieren, was kommt. Mittwochnachmittag ist dann der erste Zeitpunkt, der mich wieder an eine Fahrt nach Hamburg denken lässt. Perfektes Timing! Danke, ihr Abwehrzellen, super Job! Und jetzt bin ich auf dem Weg.

Auf dem Bahnhof treffe ich Becki. Wir erkennen uns vom Making-of-Kurvenstars-Plakat und ich finde sie gleich sympathisch.

 

12.21 Uhr, Ankunft Hamburg, Fahrzeit: 1 Stunde, 42 Minuten, ist das nicht der helle Wahnsinn, wie schnell das geht? Mit dem Auto nicht zu schaffen. Auf dem Bahnhof treffen wir noch ein weiteres Kurvenstars-Model. Sie ist frühmorgens aus London losgeflogen, wo sie gerade wegen eines Auslandssemesters wohnt. Zusammen nehmen wir ein Taxi zum Hotel.

Der Check-In ist schnell erledigt. Ich bügele mein Kleid auf und fühle mich nun doch ein wenig platt. Die Erkältung steckt mir noch in den Knochen. Ich freue mich auf einen Mittagsschlaf, währenddessen die meisten meiner Kurvenstars-Kolleginnen einen Termin beim Friseur wahrnehmen. Da meine Haare sich sowieso in die Richtung locken, in die sie gern wollen, ruhe ich mich lieber aus.

 

16.00 Uhr, mein Wecker klingelt, in einer guten Stunde geht es los. Wir Finalistinnen werden dann mit Taxis abgeholt und zur Eventlocation gebracht. So langsam steigt die Spannung in mir. Ich freue mich und erinnere mich daran, dass ich mit 51 Jahren die älteste Bewerberin unter allen Kurvenstars-Kandidatinnen gewesen bin. Und ich wurde unter mehr als 2.300 Bewerberinnen ausgewählt … 😜 Es ist ein klasse Gefühl, als Underdog so weit gekommen zu sein. Wie ich gern scherzhaft sage, repräsentiere ich ja gleich zwei Randgruppen in einer Person: Die Frau über 50 und dann noch kurvig! Dass ich jetzt hier sein kann, finde ich toll.

 

17.20 Uhr, ein letzter Blick in den Spiegel. Ich bin zufrieden. Mein Kleid, schwarz, wunderschön, erfüllt das geforderte Kriterium „festlich elegant“. Die mauve-farbenen Schuhe passen perfekt dazu. Danke, für die Beratung, Maria!!! 😊 Das Make-up ist gelungen. Gekonnt habe ich meine Schnupfnase überschminkt, so dass ich nicht länger aussehe, wie Rudi, das Rentier. Den leicht angegriffenen Look könnte man gutwillig unter „Anspannung“ verbuchen. Die Haare wie immer – lebendig … „Puuhhff!“, würde Karim lautmalerisch ihre Breitschaft untermalen, sich in alle Richtungen explosionsartig wegzukringeln und dabei seine Hände weit vom Kopf entfernt halten. Rasch ein letzes Selfie und an die Lieben geschickt, „ready to go“ – los geht’s!

 

18.00 Uhr, die ersten Gäste treffen ein. Einige kenne ich aus den Medien, viele bekannte Bloggerinnen sind da. Ich kann weder etwas essen, noch trinken, beides geht bei mir im Stehen nicht. Ireen und ich treffen uns nach dem Shooting erstmalig wieder und verbringen den Abend miteinander. Schön, wenn man sich spontan mag. Gespanntes Gewusel, wir dürfen als erste die Bilder sehen. WOW! Ich bin überwältigt, so tolle Frauen, so tolle Bilder. Wir alle strahlen stolze Weiblichkeit aus, sind voller Stärke und Präsenz. Ich bin begeistert und beneide die Jurymitglieder nicht um die Qual der Wahl. Später erfahren wir, dass unsere Bilder im Rahmen einer Ausstellung dort bis 5.10. zur Ansicht bleiben. Eine weitere Freude!

Gerade kommt die Jury.

Kristian Schuller begrüßt uns alle herzlich mit Küsschen links und rechts. imageEs fühlt sich ganz selbstverständlich an. So ein Fotoshooting ist sehr persönlich und es entsteht automatisch viel Nähe. Ich freue mich sehr, ihn zu sehen und bin ihm sehr dankbar für seinen Blick auf mich, der mir Neues zeigte. Fröhlich bietet er ein Foto mit sich an, dass meine Kumpeline Ireen und ich sehr gern annehmen.

Miyabi Kawai eilt auf mich zu: „Ich liebe dein Foto, es ist toll.“ Sie schüttelt mir die Hand und ist schon wieder weg. Unwirklich.

Anna Scholz, die von mir so geschätzte Modedesignerin, ebenfalls ein Jurymitglied, kommt mir entgegen, stutzt, gibt mir die Hand und sagt: „Ich bin Anna, ich kenne das Kleid. Es steht dir.“ Augenzwinkern. Ich trage ein Kleid aus ihrer Kollektion.

 

19.00 Uhr, die Begrüßung aller Anwesenden, kurz danach die Verkündung der Finalistinnen, deren Bilder in den Kalender kommen. Gespannte Stille. Freudenjuchzer bei den Auserwählten, Applaus vom Publikum. Überreichung des Kalenderfotos. Ireen hat überzeugt. Sie ist als Dritte auf dem Siegerpodest. Ich höre: “ … will ihre Haare nicht mehr färben … Manuela!“ Ich bin das!! Ich stakse nach vorn, hab das Gefühl, ich wate auf Stelzen in Knete, bekomme ein Küsschen links und rechts von Elke Dieterich, dem vierten Jurymitglied. Andrea Brandner, PR-Managerin bei sheego und liebevoller Leitstern für uns Finalistinnen, überreicht mir strahlend das Foto, mit dem ich im Kalender vertreten bin. Ich komme irgendwie zu den anderen. Ich freue mich und kann es dennoch nicht fassen. Die Bühne füllt sich mit schönen, üppigen Frauen und ich bin eine von ihnen – ich bin ein Kurvenstar und nun auch ein Kalendergirl! Traumhaft!!

Mir tun die anderen schönen Frauen leid, deren Bilder nicht im Kalender sind und trotz meisterhafter Selbstbeherrschung teilweise sehr traurig sind. Sehr verständlich. Es wäre mir wohl ähnlich ergangen. Dabei ist die Entscheidung eben auch subjektiv, wurde von bestimmten Menschen, aus ihrer Sichtweise, getroffen, die von anderen vielleicht ganz anders gesehen worden wäre. Alle 18 Finalistinnen sind eine Facette der Schönheit und eigentlich hätte es 18 Monate gebraucht … So sieht es auch sheego und will über eine Präsentationsform aller Finalistinnen nachdenken. Wunderbar!!

 

20.18 Uhr, Nachricht in die Family-WhatsApp-Gruppe: ICH BIN IM KALENDER ❤️ Begeisterte Antworten, ebenso von informierten Freunden.

Es wird noch viel gequatscht, gelacht, viele Fotos und Filme werden gemacht, immer wieder Gruppenbilder mit der Jury. Haley Hasselhoff spricht mich an, mein Bild würde ihr so gefallen. Eine sehr nette, fast schüchterne junge Frau. Wir machen uns gegenseitig Komplimente für  die Fotos, die Kristian Schuller von uns gemacht hat. Schließlich möchte sie ein Selfie mit mir auf ihrem Handy. Ich mache ebenfalls eines mit meinem. Irgendwie surreal – und auch wieder nicht. Wir sind zwei Teilnehmer an einem Kunstprojekt, die sich treffen und sympathisch finden … Weitere Gespräche, weitere Fotos. Irgendwann  kann ich nicht mehr. Ich muss auf die Couch.

 

21.46 Uhr, Ankunft im Hotel, Telefonat mit der Familie, SMSen mit Freunden, ein Glas Weißwein, mein Freitags-Blog entsteht, unterbrochen von kleinen Freuanfällen und Glückwünschen via Facebook und WhatsApp, die Beine tun weh nach einem Abend in neuen mauve-farbenen Schuhen, der Husten will seine Tropfen und ich bald ins Bett.

 

0.32 Uhr, Schlafenszeit. Für heute ist es gut. Aber morgen sag ich mir wieder: Versuch was Neues, trau dich, deine Grenzen definierst du selbst!

Move Your Life!

 

Fotos: Pierell/Shutterstock.com, Gruppenbild mit Kristian Schuller mit und von Ireen Steinweg, Foto von Manuela Luther von sheego Kurvenstars 2017, all rights reserved to Kristian Schuller

4 Kommentare
  1. Maria
    Maria sagte:

    Schön geschrieben, ein bißchen als wäre man dabei gewesen! Ich freu mich sehr für dich, Wahnsinn, du (und natürlich auch alle anderen Frauen) kannst STOLZ sein!
    Und ich freu mich, dass die Schuhe so gut zu allem gepasst haben 🙂

  2. Ireen
    Ireen sagte:

    Hach den Eintrag hast du toll geschrieben. Alle Bilder flackern wieder auf und bringen mich zum schmunzeln 🙂

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