Waren Sie schon in ‚Spectre‘, dem neuesten James-Bond-Film? Ich ja! Sogar in der Preview am Mittwoch vor dem offiziellen Start. Ein Freund amüsierte sich am nächsten Tag über meine Filmkritik: „Daniel war übrigens … tja, was soll ich sagen, ich musste mich in Anbetracht der Begleitung meiner Familie etwas zurückhalten, aber ich war hingerissen. Und der Film hat mir auch gut gefallen …“

Sie merken: Ich bin ein großer Daniel-Craig-Fan. Ich betone gern, dass ich ihn schon vor Bond toll fand, das distanziert mich angemessen von den Bondbegeisterten und verdeutlicht meinen Expertenstatus. Ich hab sogar eine Biographie über ihn, die hat mir mein verständnisvoller Mann eines Weihnachtens geschenkt. Ich erinnere mich noch heute an die Verachtung, die Daniel bei seiner „Amtseinführung“ auf der Themse entgegenschlug. Er trug eine Rettungsweste! Inzwischen bejubeln ihn die Massen als „besten Bond aller Zeiten“. Mich wundert das nicht!

Dass James nun eine ältere Frau zur Seite gestellt wurde, verstand ich in dem Augenblick, als ich erfuhr, dass Daniel dieses Mal auch Co-Produzent des neuen Bond-Films sei. Persönlich sei es ihm ein Anliegen gewesen, ein moderneres Frauenbild zu zeigen. OMG, was für ein Mann!

So hatte ich zwei Gründe, mich auf den Film zu freuen: Den ersten kennen Sie schon, der zweite war Monica Bellucci. Sie ist wirklich eine tolle Frau, wie ich finde und eine gute Wahl für den Film.

Ich hatte daher hohe Erwartungen an sie, ihre Rolle und ihren Einfluss auf Bond und an das Bild der Frau in „reifen“ Jahren schlechthin. Endlich würde die Welt verstehen, was uns Frauen dieser Altersklasse auszeichnet, nämlich …

Vielleicht hätten mich die Artikel in den Medien vorbereiten sollen. Die Interviewer hatten offenbar mit der Bewerbung Belluccis als „mature woman“ an der Seite Bonds ihre eigenen Assoziationen und stellten geistreiche Fragen wie sie es fände, wenn reife Frauen etwas mit jüngeren Kerlen hätten, was sie für ihren Körper tue, ob sie Angst hätte, ihre Sexiness zu verlieren … Hm, eine enorme Bandbreite an Tiefgründigkeit.

In keinem der Interviews durfte ihre Reaktion auf Sam Mendes‘ Anruf fehlen: „Warum rufen Sie mich an. Ich bin 50!“ Leicht abgewandelt stand in allen Artikeln zu lesen: „I had to play a Bond lady not a Bond girl because Lucia is a mature woman,“ said Bellucci. Es sei wichtig gewesen, ihre Trauer, ihre Verzweiflung und ihr Alter zu sehen.

Bevor Sie weiterlesen: Ab hier sind Spoiler unvermeidbar.

Ja, man sah ihr Alter. Fand ich gut. Der Gedanke, wir könnten morgens nach dem Aufstehen als Schwestern durchgehen, fiel dennoch zu meinen Ungunsten aus. Ja, man sah definitiv auch Trauer und Verzweiflung und ich bin fest davon überzeugt, es muss die Verzweiflung über diese dumme, kurze Rolle gewesen sein, die als Botschaft herhalten sollte: kaum Text, irre viel Schminke, ständig heruntergezogene Mundwinkel, schwüle (mature!!) Dialoge, ein Bond, der eben alles mitnimmt, was sich an Frauen so anbietet. Und das war mein größtes Problem: Monicas Rolle ist als Fallobst angelegt, als überreife Frucht besserer Jahre, ihr Ehemann erschossen von – Bond, James Bond -, der sie nicht retten, nur aushorchen will … Hätte man diese Rolle nicht auch anders aufbauen können??

Hier meine Version:

Lucia, schöne, und vor allem – geistreiche – Witwe eines Mafiabosses, sieht den Mörder ihres Mannes bei dessen Beerdigung. Sie weiß, dass er gekommen ist, sie auszuhorchen, aber das stört sie nicht. Auch sie will Informationen von ihm … z.B. wie sie es anstellen kann, das Mafiaunternehmen, dessen Chefin sie nun ist, unbehelligt vom MI6, weiterzuführen und auszubauen. Sie blickt Bond tief in die Augen und ihm wird gleichzeitig heiß und kalt. Mit Vesper Lind war er ein Junge, hier wird er zum Mann! Er erliegt ihrer Erfahrung, Lebensweisheit, Klugheit, Raffinesse, Lebensfreude, Schlagfertigkeit, Intuition, Überlegenheit, Abgeklärtheit, Intelligenz, Ausgewogenheit, Lässigkeit… (bitte schlagen Sie im Internet nach unter Synonyme für „reif“ und nehmen nur die guten) und ok, auch ihrer Schönheit. Statt lumpige fünf Minuten hat Monica/Lucia die Hälfte der Spielzeit, sie und Daniel sind gleichwertige Charaktere und zum Ende … Machen Sie was draus!

Mein Name ist Luther, Manu Luther. Trinken Sie mit mir einen Wodka-Martini – gerührt, nicht geschüttelt – und stoßen Sie mit mir an, unser Trinkspruch:

Move Your Life … and live your own version of a mature woman!“

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