Ist es Ihnen auch schon passiert, dass Sie sich etwas vorgenommen haben und dann verlief die Sache ganz anders, als geplant? So ging es meinem Mann und mir letze Woche Freitag. Unsere Jungs hatten einen guten Freund als Übernachtungsgast eingeladen und wir überlegten uns, dass dies eine gute Gelegenheit sei, mal wieder etwas zu zweit zu unternehmen.

Also buchte ich einen Termin in unserer Lieblings-Thai-Massage, einem hübschen kleinen Spa, in dem wir uns sehr an unsere diversen Urlaube in Asien erinnert fühlen. Um das Urlaubsfeeling komplett zu machen, wollten wir im Anschluss noch ein vietnamesiches Restaurant ausprobieren, das auf Tripadvisor hoch gelistet war: „Vietnam food at it’s best …“. In wohliger Vorfreude konnten wir den Freitag kaum erwarten.

Ankunft in unserem Spa, abends 19.30 Uhr. Zu unserer Verwunderung ist die Eingangstür abgeschlossen. Wir klingeln also und eine sehr irritiert aussehende Thai, die sich als Chefin zu erkennen gibt, öffnet die Tür. Prima, dass wir uns nach all den Jahren mal kennenlernen 😀

Leider steht unser Termin nicht für Freitag im Kalender, sondern für Samstag und jetzt – tja, Schulterzucken – wie konnte das nur passieren? Wann haben wir angerufen?? Jetzt sei leider niemand mehr da. Feierabend! Vielleicht ein anderes Mal? Ja, sicher, gern, aber nicht in nächster Zeit, wir fahren in den Urlaub … wir verlassen ein wenig deprimiert das Haus.

„Und nun?“, fragt mein Mann, „Ich hab mich echt auf eine Massage gefreut, wollen wir vielleicht mal eine andere ausprobieren?“ Begeistert von seinem Willen, sich von einem schnöden Versehen nicht einschüchtern zu lassen, stimme ich zu. Sofort werden alle im Umkreis befindlichen Thaimassagen ausfindig gemacht, angerufen und, siehe da, eine hat sogar noch einen Termin für uns – nur fünf Minuten entfernt.

„Ach, so!“ begrüßt uns die gut aussehende Chefin des Massagasalons. Seltsames Willkommen. Ganz in schwarz gekleidet, hautenge Strechtleggins, knappes Top unterstreichen ihre Topfigur. Ihre Mitarbeiterin, nur halb so schön und viertel so nett, überschüttet sie mit einem Schwall erregtem Thais. Glücklich sehen beide nicht aus.

Die Chefin bringt uns dennoch gelassen an rot gedimmtem Zimmern vorbei, in einen Raum, in dem nach Thai-Tradition zwei große Liegen nebeneinander stehen. Ein Rufknopf an der Wand macht deutlich, dass Hilfe bei aufkommendem Ärger nicht weit ist. Wir sollen uns ausziehen, dort hinlegen, die beiden Masseurinnen wären gleich hier. „Denkst du das, was ich denke?“, fragt mich mein Mann leise und seine Augen funkeln vor Erheiterung. „Ja“, kann ich gerade noch glucksen, bevor unsere Behandlerinnen ins Zimmer treten.

Die für meinen Mann zuständige Mitarbeiterin sieht toll aus in ihren Hotpants und dem knappen Shirt, das schlanke Arme und einen ebensolchen Bauch hervorragend zur Geltung bringt. Allein die Bewegungsfreiheit scheint mir doch durch den wenig elastischen Jeansstoff der sehr eng anliegenden Hose etwas eingeschränkt.

Meine Masseurin ist eher traditionell gewandet, trägt einen langen Rock, den sie praktisch beiseite schieben kann und ein zierliches Top, passend zur zierlichen Figur.

Liebevoll und voller Hingabe machen sich die beiden ans Werk, cremen uns ein, streichen mit zarten Bewegungen unsere Muskeln, simulieren einige kleine Massagetechniken und verlieren sich im Moment eines anderen Berufes. „Geht es gut?“ „Darf ich du sagen?“ „Wir gehen heute noch Party.“ Ihre Konversation ist freundschaftlich und nett.

Nach 60 Minuten wird uns ein echter Ingwertee serviert und als wir gehen, zwinkert uns die Chefin zu: „Wenn das nächste Mal kommen, dann vorher „Partnermassage“ ansagen und nachmittags kommen, dann sind auch andere Masseurinnen da!“ Alles klar 😉

Mein Mann und ich lachten erstmal herzlich im Auto. Du, meine Güte, was für ein Spaß! Zwar hatten wir uns das Massageerlebnis für unsere müden Knochen medizinisch fundierter gewünscht, aber wir waren dennoch sehr entspannt – und genossen es, dass wir in der Lage waren, das Lustige in der Situation zu erkennen.

Klar, wir alle hätten uns natürlich furchtbar ärgern können: Die Masseurinnen, weil ihre Kunden keine teuren Zusatzleistungen buchten, an denen sie wirklich Geld verdienten. Statt Sekt, gab’s Tee. Das Trinkgeld war gut, aber sonst gibt’s sicher mehr. Wir hätten uns aufregen können, weil wir keine echte Massage bekamen, sondern eher eine improvisierte Ölung (Gott sei Dank, nicht die letzte!) Aber wir alle hatten ein stillschwiegendes Abkommen getroffen, das Beste aus der Situation zu machen und sie positiv anzunehmen. Unsere Masseurinnen strahlten voller Freude über unser Lob, wie wohl wir uns fühlten und wir nahmen ihr rührendes Bemühen, uns eine gute Massage angedeihen zu lassen, ebenso gern an. Ich bin mir sicher, wir sorgten bei ihnen, „auf der Party“ abends noch ebenso für Erheiterung, wie sie bei uns.

In sehr guter Stimmung fuhren mein Mann und ich zum vietnamesischen Restaurant. Wir bekamen gleich zwei Plätze und bestellten unser Essen. Nach den Belobigungen des Internetportals erwarteten wir Außergewöhnliches … und bekamen ein wohlschmeckendes Essen, in netter Atmosphäre, von einem sehr herzlichen Kellner serviert – alles nicht aufregend, aber gut. „Nein, Ihr Essen ist leider aus, Madam.“ „Sorry, Tiger-Beer ist alle.“ – all das konnte uns nicht erschüttern, der Cabernet-Sauvignon war lecker, ebenso das einfache Essen.

„Mai pen rai!“, erinnerten wir uns bei der Heimfahrt an die thailändische Redewendung. Hören Sie mal in das Audiobeispiel rein. Sollten Sie eine Thailandreise planen, ist die Anwendung unerlässlich:

Mai pen rai!

Übersetzt heißt es soviel wie „Das macht nichts“ oder „So ist es eben!“ Diese Allerweltsäußerung hört man in Thailand überall und sie steht für die Lebenseinstellung, nicht alles so ernst zu nehmen und mal ein bisschen zu „chillen“, wie unsere Jungs es ausdrücken würden.

Während der Heimfahrt waren mein Mann und ich bester Stimmung. Wir waren uns einig, dass es eigentlich nicht darauf ankommt, ob etwas so ist, wie man es sich vorstellt, sondern dass es wichtig ist, was man daraus macht. Schon lange hatten wir nicht mehr so viel gelacht, wie an diesem Abend und fühlten uns wie zwei Verschwörer, die Neuland entdeckten. Manchmal reicht dazu nur ein Perspektivwechsel und der Wille, sich nicht zu ärgern.

Wir haben uns ganz fest vorgenommen, das nun öfter mal zu probieren, denn: Wie die Umstände sind, können wir oft nicht beeinflussen, wie wir darauf reagieren, aber schon!

Move Your Life!

 

Foto: amadeustx/Shutterstock.com

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