Mein November-Newsletter bekam so viel positive Resonanz, insbesondere wegen des darin veröffentlichten Impulscoaching-Tipps zum Thema Trauer, dass ich ihn auch hier veröffentliche.

Denn Abschied, Trennung, Traurigkeit und Neuanfang gehören nicht nur zum Lebensende: Die Trennung vom Partner, das nicht bestandene Abitur, der Verlust des Arbeitsplatzes, der Auszug der Kindern, die geplatzte Reise, der Alterungsprozess … das alles sind „kleine Tode“, die uns immer wieder neu fordern. Aber auch die Erwartungshaltung anderer, wie „man“ zu sein hat, ab wann man wieder „normal“ sein muss und wie man sich besser ablenken sollte, kann belastend sein. Mich nervt das, ehrlich gesagt – und euch vielleicht auch. Daher heute mein „Manifest für gesundes Trauern“:

 

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Liebe Manuela,

mir graut es ganz furchtbar von den nächsten Wochen und besonders vor den Feiertagen. Meine Frau ist nach kurzer Krankheit verstorben und ich trauere sehr um sie. Wir waren mehr als 40 Jahre verheiratet. Ich fühle mich verloren und weiß nicht, wer ich bin. Meinen Kindern will ich nicht zur Last fallen und eine Tochter wohnt auch im Ausland. Es ist schrecklich.

Lieben Gruß, J.

Lieber J.,

danke, für deine Erlaubnis, unser Gespräch hier in Kurzform wiederzugeben. Ich weiß, dass es anderen eine Hilfe ist und daher bin ich dir dankbar für die Gelegenheit.

Es ist schrecklich, plötzlich ohne jemanden zu leben, der einen beinah das ganze Leben begleitet hat. Mit dem Menschen, der fehlt, scheint auch ein Teil der Vergangenheit gestorben zu sein – auch die Gegenwart wirkt ärmer: Der vertraute Partner für die Alltagsrituale fehlt, die kleinen Besonderheiten können mit niemandem geteilt werden. An die Zukunft mag man nicht denken. Sie scheint sinnlos allein. Man kann sich nicht vorstellen, jemals wieder Freude zu empfinden. Und es fühlt sich so an, als würde man den Partner verraten, gäbe es eine Zukunft.

Vielleicht tröstet es dich zu erfahren, dass dies zu den üblichen Trauerreaktionen gehört, die jeder empfindet. Diese Gefühle kann man nicht überspielen. Sie sind da. Nach meiner Erfahrung hilft es, sich ihnen anzuvertrauen. Normalerweise verdrängen wir sie aus Angst, von der Trauer überflutet zu werden. Aber das Gegenteil ist der Fall. Trauer muss angesehen werden, damit das Leben wieder in Fluss kommen kann.

Aus meiner Hospizarbeit weiß ich, dass es hilfreich sein kann, seine Trauer mit Ritualen einzuladen. Du könntest z.B. zweimal am Tag feste Zeiten finden, in denen du bewusst in Erinnerungen verweilst, alte Fotos ansiehst, mit Freunden über deine Frau sprichst oder ihr Grab besuchst. Es kann auch helfen, Spazierwege, die man gemeinsam gegangen ist, nun körperlich allein, aber in Gedanken vereint zu gehen. Lass deinen Tränen dabei ihren Lauf. Deine Frau wird in deinem Herzen immer anwesend sein. Zwiegespräche sind wichtig. Warum nicht Vertrautes weitermachen? Dann ist der Riss im Leben nicht so schmerzhaft.

Auch wenn es dir wertlos vorkommt: Denk auch an dich. Die Sinne des Körpers anzusprechen ist ein wichtiges Mittel, sich zu erden und aus der gedanklichen Spirale des „Warum“ zu entfliehen. Macht dir Bewegung Freude? Das wäre super, denn sie hilft, Stresshormone zu verarbeiten und du fühlst dich dann leichter.

Ein letztes Wort zu deinen Töchtern: Auch sie trauern und fühlen sich beraubt. Zieh dich nicht von ihnen zurück, sonst verlieren sie mehr als ihre Mutter. Und du nimmst ihnen die Chance, dir ihre Liebe zu zeigen und dir selbst, sie zu empfangen. Sind deine Kinder nicht auch ein Teil deiner Frau und somit wichtige Repräsentanten eurer Liebe?

Ich wünsche dir, dass du deiner persönlichen Trauer folgst. Trauere nicht, wie andere glauben, dass es richtig ist. Verbiete dir nicht deine Tränen und auch nicht ein Lachen, wenn etwas dich fröhlich macht. Lass beides zu. Dann wird deine Freude über die gemeinsame Vergangenheit eines Tages größer sein, als die Trauer über den Verlust.

Alles Liebe,
Manuela

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Vielleicht seid ihr gar nicht traurig, sondern wütend? Möglicherweise könnt ihr euch über die Vergangenheit nicht freuen, weil sie einfach nur ärgerlich ist. Ihr könnt rückblickend gar nicht mehr nachvollziehen, warum ihr mit dem Ex überhaupt zusammen wart. Weil er im Grunde ein A*…. ist und man sich in der gemeinsamen Zeit zum Deppen gemacht hat. Aber es gab Gründe dafür. Findet sie.

Sich mit der Situation auseinanderzusetzen, ist Teil des Heilungsprozesses. Es ist eine Gelegenheit, die Vergangenheit hinter sich zu lassen, damit Frieden zu schließen und sich selbst zu verzeihen – und: daraus für die Zukunft zu lernen. Denn ihr wollt ja nicht nochmal auf so einen Typen hereinfallen. Oder auf so einen ausbeuterischen Chef. Oder eine manipulierende Freundin. Oder …

Ich wünsche euch für jede Art von Verlust, dass die Freude und die Dankbarkeit für das was war und was ihr gelernt habt zu eurem persönlichen Schatz wird, der euch tröstet. Ich weiß, das ist nicht immer leicht. Und manchmal hängt man einfach durch. Es kommt einem vor, als ginge das nie vorbei. Aber das tut es! Früher oder später.

Wenn die akute Phase der Schmerzverarbeitung vorbei ist, helfen ein tiefer Atemzug und eine Neuausrichtung im Sinne von

Move Your Life!

 

Foto: Photographee.eu/Shutterstock.com

 

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