Move Your Life

Diese Woche hatte ich Gelegenheit, in der Buchhandlung Mondlicht einen Vortrag über das neueste Buch „Mentale Wunder“ von Louise Hay zu halten, das sie zusammen mit der Fachärztin für Psychiatrie, Dr. med. Mona Lisa Schulz, verfasst hat. Im Klappentext heißt es u.a.: „In Wirklichkeit sind Medikamente nur eine Möglichkeit unter vielen, um Körper, Geist und Seele zu heilen. So können … Affirmationen und insbesondere Kognitive Verhaltenstherapie sowie Dialektisch-Behaviorale Therapie [helfen], unser Denken und unsere Einstellung zu verändern, um wieder in Balance zu kommen.“ Ganz meine Meinung und genau mein Thema! Hätte es besser sein können? 🙂

Viele von euch schrieben mir, sie wären gern zum Vortrag gekommen, hatten jedoch andere Termine. Kein Problem, hier gibt es noch mal einen kleinen Überblick zu meinem Lieblingsthema, ergänzt um tagesaktuelle Einsichten …

 

Die Kognitive Verhaltenstherapie beschäftigt sich – kurz gefasst – mit einschränkenden Glaubensmustern. Sind sie einmal aufgespürt, kann man sie verändern und sich anders verhalten. Das neue Verhalten führt zu neuen Erfahrungen, die wiederum unser Denken beeinflussen. Wir lernen am Erfolg.

Die Dialektisch-Behaviorale Therapie wurde von Marsha M. Linehan aus der Kognitiven Verhaltenstherepie heraus, zunächst nur für suizidgefährdete Borderline-Erkrankte, entwickelt und um Methoden wie z.B. Achtsamkeitstraining, Meditation, Übungen zum Erspüren von Emotionen angereichert. Diese Methode wurde weiterentwickelt und wird heute vielfältig eingesetzt.

 

Die Herangehensweise von Louise Hay weist sehr viele Ähnlichkeiten zu den beiden Therapieformen auf – und, was wirklich sehr positiv ist – sie ist für jeden frei zugänglich. Es handelt sich auch keineswegs um eine „Therapie für Arme“, sondern um hilfreiche Methoden für ein gelingendes, glücklicheres Leben. Wir können diese einfachen Techniken erlernen und fortlaufend in unserem Leben anwenden. Voraussetzung hierfür ist lediglich die Bereitschaft, etwas – nein: sich – ändern zu wollen. Allein mit einer neuen Einstellung ist nun nicht gleich das ganze Leben anders, aber wir öffnen neue Türen, die uns möglicherweise neue Erkenntnisse bringen.

 

Warnung: Zur Wirkungsweise und möglichen Nebenwirkungen dieser neuen Lebenssicht fragt bitte euren Arzt oder eure Heilpraktikerin für Psychotherapie!

Als ich die Methoden von Louise mehr und mehr in meinem Leben anwandte, zeigten sich schnell Verbesserungen. Ich mochte mich mehr, mir fiel Vieles leichter. Dann kam irgendwann der erste Stolperstein: Du meine Güte, so viele Dinge in meinem Leben, die der Reparatur bedurften. Ich wollte doch ein guter Mensch sein und dann so viele Beurteilungen, (Selbst)Abwertungen, traurige und ärgerliche Momente, Dinge, die mir nicht gefielen, Menschen, die mir nicht guttaten. Warum schien alles so viel schlimmer zu werden?

Die Erklärung war eigentlich ganz einfach: Wenn wir beginnen, uns selbst liebevoll anzunehmen, kommen weitere Gedanken an die Bewusstseinsoberfläche, die geheilt werden wollen. Was mir zunächst anstrengend und belastend erschien, waren letztlich Zeichen einer beginnenden Heilung und Vervollständigung meiner Persönlichkeit – oder wie es in der in der Psychoanalyse heißt: „Nachreifung der Persönlichkeit“. Mich faszinierte, dass ich mir selbst so viel Gutes tun konnte, aber der Weg schien weit.

 

Letztendlich half mir „Beppo, der Straßenkehrer“ aus der „Unendlichen Geschichte“ von Michael Ende. Ihn rufe ich mir immer ins Gedächtnis, wenn die vor mir liegende Aufgabe zu groß erscheint.

… „Siehst du, Momo“, sagte er dann zum Beispiel, „es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man.“

Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort: „Und dann fängt man an, sich zu beeilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen.“

Er dachte einige Zeit nach. Dann sprach er weiter: „Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten.“ Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte: „Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.“

Und abermals nach einer langen Pause fuhr er fort: „Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste.“ Er nickte vor sich hin und sagte abschließend: „Das ist wichtig.“ …



Genauso sehe ich es auch: Man muss immer an den nächsten Besenstrich denken, sich darauf fokussieren, ihn erledigen und dann zum nächsten übergehen. Nichts anderes hilft. Und so funktioniert auch das ganze Leben: Immer einen Schritt nach dem anderen! Und wenn ein Windstoß neue Blätter aufwirbelt und auf die bereits gekehrte Straße fallen lässt, gehen wir einfach kurz zurück, fegen sie weg und machen weiter und weiter und weiter … Manchmal mag uns der Weg riesig vorkommen, aber er wird begehbar, wenn wir uns nur dem aktuellen und dann dem nächsten Schritt zuwenden.

 

Eigentlich wollte ich heute noch etwas zum Thema „Affirmationen“ schreiben, aber ich denke, wir heben uns das für die nächste Woche auf. Ihr wisst ja, immer nur einen Schritt nach dem anderen …

Move Your Life!

Foto: Shutterstock.com/Gabriele Maltinti

4 Kommentare
  1. Suncica
    Suncica sagte:

    Absolut korrekt, ein Schritt nach dem anderen, nichts muss man/Frau/ich auf einmal schaffen. Meist ist es der erste Schritt der am schwierigsten erscheint.

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