Kürzlich hatte ich ein Gespräch mit einem Klienten, nennen wir ihn Peter. Deprimiert saß er vor mir, mit 48 Jahren fühlte er sich am Ende eines Lebensfadens, fühlte sich kraftlos, einen neuen aufzunehmen. Was war passiert?

Seit mehr als 35 Jahren ist Peter mit seiner Frau Lydia zusammen, einer dynamischen, sehr selbstbewussten Frau. Zu Schulzeiten hatten sie sich kennengelernt und schon damals produzierte sie eine Idee nach der anderen, die sie dann auch beruflich umsetzte. Peter faszinierte ihr Gestaltungswille, auch wenn er erkannte, dass ihren Ideen oft die (wirtschaftliche) Basis fehlte. Da konnte er helfen, als bodenständiger, sehr geradliniger und ökonomisch geprägter Mensch gab er ihren Träumen Wurzeln. Auf diese Weise ergänzten sie sich gut, waren als Paar und beruflich erfolgreich … für eine lange Zeit.

Menschen und Bedürfnisse ändern sich jedoch, man spricht nicht mehr über alles, glaubt sich zu kennen, trifft falsche Entscheidungen, die auch den anderen betreffen, geht Kompromisse ein, von denen man glaubt, dass sie dem anderen gefallen …

Peter und Lydia reden heute nicht mehr viel miteinander. Lydia fällt das vielleicht gar nicht auf. Sie macht ihr Ding. Peter hingegen hält jedes Gespräch für überflüssig … denn: sie macht ihr Ding – das hat er in den letzten Jahrzehnten gelernt. Von beiden Seiten gibt es noch große Sympathie, aber trägt die bis zum Ende des Lebens?

Ich kenne Peter schon lange, ich schätze ihn als belesenen, feinsinnigen, sehr gebildeten Mann. Ihm selbst sind seine Talente nicht sonderlich bewusst. Er wurde dazu erzogen, viel Leistung zu bringen, etwas zu erreichen. „Kompromisse sind die Basis von Beziehungen, man muss sich entgegenkommen, jeder muss Zugeständnisse machen, damit es beiden gut geht.“, sagte er mir. Wirklich?

Peter war überrascht als ich ihm sagte, dass ich sein Denken verständlich, aber nicht für sein Glück förderlich fände. Wichtig ist, wie es ihm geht – ganz allein, ohne Bezug zu Lydia. Was sind seine Träume? Was möchte er in seinem Leben verwirklicht sehen? Wie muss sein Leben sein, damit er sich wohlfühlt? Wie würde er sein Leben gestalten, würde es Lydia gar nicht geben?

Peter sah betroffen aus. Ob ich an Trennung dächte? Die wolle er nicht. Darauf wollte ich auch nicht hinaus, beruhigte ich ihn. „Es geht darum, dass du dich als eigenverantwortlichen Menschen begreifst – und von hier aus kleine Schritte zum persönlichen Glück unternimmst. Vielleicht verbessert das nicht deine Beziehung, möglicherweise ist sogar das Gegenteil der Fall. Immerhin habt ihr euch an ein bestimmtes Beziehungsmuster gewöhnt. Aber du bist nicht glücklich. Es wäre daher gut, wenn du dich aus der negativen Dynamik deiner Beziehung lösen könntest. Wenn du immer nur schaust, was Lydia falsch macht, gibst du die Macht über dein Wohlgefühl an sie ab. Besser wäre es, du konzentriertest dich darauf, was du für dich tun kannst, statt in der Warteschlange zu hängen, ob Lydia vielelicht auf die Idee kommt – und dich dann zu ärgern, wenn das nicht der Fall ist. Du kannst nur dich ändern – nicht Lydia!“ (das gilt natürlich grundsätzlich für jeden anderen Menschen auch).

Peter fühlte sich, „als würde die Tür zu einem Käfig aufgemacht“, wie er mir sagte. Nur dass er Angst hätte und nicht rausgehen wolle. Wer weiß, was dann passieren würde.

Ich gab Peter ein Gedicht, das ich einmal geschrieben habe. Auch mir ist seine Angst nicht fremd. Doch es lohnt sich, ihr zu begegnen. Denn sie bietet auch die Chance auf einen Neuanfang. Das Gedicht heißt „Reset“:

Ich hab geglaubt, dich glücklich machen heißt,
erahnen, was du fühlst,
dir alles sein, was du dir wünschst,
Und so zu sein, wie du mich willst.

Ich hab erst jetzt verstanden,
ich sperr uns beide ein:
wir haben keinen Raum zu wachsen,
wenn ich vermeide, ich zu sein.

Ich bin nun ich und du darfst du sein,
wir lernen beide was das heißt,
wir lachen, weinen, streiten uns
und lieben uns in neuer Freiheit.

 

Move Your Life … to Love an Joy!

Foto: Milan Stock/Shutterstock.com

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