Move Your Life

Als ich am 6.11.2015 meinen ersten Blogartikel veröffentlichte, stellte ich mir und Ihnen die Frage, ob ich Sie lieber mit dem distanzierteren „Sie“ oder eher mit dem persönlicheren „Du“ ansprechen sollte. Bei letzterem trieb mich die Sorge um, ich könnte irgendwie „berufsjugendlich“ rüberkommen. Also wendete ich mich  an „Sie“, obwohl mir das in letzter Zeit zunehmend komisch vorkam.

Ehrlich gesagt muss ich heute ein bisschen den Kopf über mich schütteln. Was hab ich mir damals nur für Gedanken gemacht? Würde ich heute erst mit einem Blog starten, würde ich einfach „Du“ sagen.

Rückblickend sehe ich, mit welcher Berührungsangst ich an das Thema „Bloggen“ herangegangen bin. Es schien mir so fremd, fast eine Anmaßung zu sein, dass ich nun auch bloggen wollte. Zwar hatte ich mich vorher genau erkundigt, was das denn nun genau sei (Wikipedia: Wortkreuzung aus englisch Web und Log für Logbuch), aber irgendwie dachte ich, dass sei nur der Jugendgeneration vorbehalten, die ihr hippes Leben irgendwo auf der Welt festhielte oder Menschen mit einem besonders spannenden Lebenslauf (+++ 11.00 a.m. New York: Frühstück bei Tiffany im Holly-Golightly-Look, günstig erstanden bei „Superfashionoutlet XY“ (Verlinkung auf Webadresse mit gleichzeitiger Bonusgutschrift) +++ 2.00 p.m. tolle Leute im Central Park beim Joggen kennengelernt +++ 6.00 p.m. auf dem Weg zu Flughafen – das Haar sitzt … +++).

Blogger, las ich, schrieben vor allem, um sich mit anderen Bloggern über ihr Fachthema auszutauschen und zu vernetzen, bekannt zu werden und Geld zu verdienen. Hm, das ist zweifellos eine tolle Motivation, aber mein Anliegen war eher der Gedanke, dass Interessenten mich vor einem Besuch kennenlernten, bevor sie ihr Seelenleben vor mit ausbreiteten. Aber wie gesagt, die anderen Faktoren haben auch ihren Reiz …

Also fing ich an, einen Blog zu schreiben. Zum Anfang aufgeregt, zuweilen sehr unsicher, ob ich mich richtig ausdrückte, aber immer voller Begeisterung für mein Thema: Wie gelingt es, ein Leben voller Freude und Liebe zu leben? Ich selbst habe noch immer nicht DIE Antwort gefunden, versuche, so viel wie möglich vom Leben kennenzulernen und hier darüber zu schreiben. Manchmal entwickelt sich meine Meinung auch erst, wenn ich ein Thema von unterschiedlichen Standpunkten aus betrachte. Insofern ist es wirklich ein wenig wie Tagebuch schreiben, bei dem man abends darüber reflektiert, wie der Tag denn nun so war.

Anfangs fragte ich mich, was meine Leser wohl denken würden? Über meine Art zu schreiben? Über meine Ansichten? Über mein Leben? Was, wenn ich mich lächerlich machte? Wenn meine Freunde das läsen oder Kollegen? Aber je mehr Freude ich am Schreiben entwickelte, um so mehr verließ ich die Außenansicht auf mein Tun und wurde zunehmend ich selbst.

Ich machte mir klar, dass man mich tatsächlich nur kennenlernen konnte, wenn ich bin wie ich bin. Nicht jeder würde meine Artikel schätzen, nicht jede würde mich mögen, nicht alle würden sich inspiriert fühlen, etwas Neues auszuprobieren und vielleicht fänden einige einfach meinen Blog uninteressant. Oder gar blöd. Gut möglich! Diese Personen würden meinen Blog nicht lesen.

Im Gegenzug würden sich gerade die Menschen angezogen fühlen, die ähnlich dachten wie ich, die vergleichbare Erfahrungen gemacht hätten und die auch auf der Suche waren. Vielleicht wären das nur einige wenige? Auch möglich! Aber diese würden meinen Blog gern lesen und die hätten dann auch etwas davon. Und ich erst 🙂

Von diesem Zeitpunkt an wurde ich bedeutend gelassener und der Blog wurde endlich zu dem, für das er laut Definition ersonnen war: Eine Art Tagebuch, im Web geführt. Aufmerksame Leser haben vielleicht gemerkt, mit welchem Beitrag sich etwas änderte? Wann ich mich traute, wirklich von mir zu berichten, egal, ob es anderen gefiele oder nicht? Ratet mal … 😉 Schreibt den Namen des Artikels, von dem ihr glaubt, es sei der richtige, in die Kommentarfunktion auf Facebook und der erste, der richtig liegt, bekommt das neueste Buch von Kyle Gray „Glücksgefühle für die Seele – 111 Tipps für gute Schwingungen“. Ich bin gespannt!

Wisst ihr, was das Tollste war? In dem Augenblick, in dem ich mich wieder mit mir selbst verband, änderten sich meine Texte und es kamen neue Leser, denen das gefiel. Ich bekam viel mehr Feedback, ein Austausch begann … es ist ein sehr aufregender Prozess von dem ich hoffe, dass er immer weiter geht.

So richtig darüber nachgedacht habe ich, als ich zwischen den Jahren Zeit hatte, 2016 Revue passieren zu lassen. Mir ist klar geworden, dass kein Weg daran vorbeiführt, ich selbst zu sein. Denn wenn ich bin, wie ich bin, wenn ich wage zu sagen, zu handeln und mich zu verhalten, wie ich bin, entwickelt sich nicht nur mein Web-Tagebuch zum Besseren, sondern alle Bereiche des Lebens tun das – es wird dann zu MEINEM Leben. Der Song „I am what I am“ ist eben nicht nur für Paradiesvögel gedacht, sondern auch für Normalos wie mich.

Ihr seht, die Tücke ist im Detail verborgen. Mir war gar nicht bewusst, dass mir die Sorgen vor dem Urteil anderer derartig im Weg stehen. Man trifft immer dann auf sie, wenn man etwas Neues wagt. Mache ich das jetzt richtig? Und finden die anderen das auch? Natürlich zählt die Meinung anderer, wie soll man sonst was lernen, aber man sollte sie nicht zwingend über die eigene stellen.

Ich freue mich, dass wir nun „Du“ sagen, besser: dass ich nun „Du“ sage. Es fühlt sich gut an. Schließlich sind wir gemeinsam auf der Suche nach einem gelingenden Leben und diese Entdeckungsreisen sind doch sehr persönlich. Mal sehen, was als nächstes kommt…

Move Your Life!

Foto: Shutterstock.com/lzf

 

 

 

0 Kommentare

Hinterlasse ein Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.