… relativ … vergänglich … liegt in allem, was man mit Liebe betrachtet … nichts wert … eine Qualität im Auge des Betrachters … überall … störend … überflüssig … ein Fluch … unerreichbar … wichtiger als Intelligenz … unerlässlich, um einen guten Partner zu finden … die Macht der Frau … nicht alles … doch alles … Wie ist Ihre Meinung zur Schönheit? Ist Schönheit etwas Universelles? Was finden Sie schön?

Kennen Sie das amerikanische Übergrößen-Model Tess Holliday? Sie trägt Kleidergröße 52-54 und gehört zu den derzeit erfolgreichsten Fotomodellen. Sie ist dick. Ich meine das nicht als Schimpfwort und sitze laut Definition mit Tess im selben Boot: Der Duden sagt, dick ist jemand, der im Verhältnis zu seiner Körpergröße ein zu hohes Gewicht hat (hab ich). Sie ist großzügig tätowiert und weist unübersehbare Kraterlandschaften an Cellulite auf. Dem gängigen Schönheitideal entspricht sie somit nicht, hat aber offensichtlich keine Probleme, sich halbnackt fotografieren zu lassen. Tess scheint zufrieden mit sich, sieht sich als Feministin und findet sich nach eigenen Aussagen sehr sexy. Eine große Fangemeinde sieht das wohl auch so.

Vor wenigen Tagen hat Facebook ein Foto, auf dem sie in einem Bikini für eine Veranstaltung mit dem Titel „Feminismus und Fett“ Werbung machte, einfach entfernt. Der Text der Anzeige durfte bestehen bleiben, nicht aber das Foto. Und hier nun die Beantwortung der Beschwerde des Veranstalters durch Facebook:

„Danke, für Ihr Schreiben. Ihre Anzeige wurde nicht genehmigt, weil Ihr Foto nicht mit unseren Gesundheits- und Fitnessgrundsätzen übereinstimmt. Das Foto gibt den Körper oder Teile davon in einer nicht wünschenswerten Art und Weise wieder.“

Das Zeigen von überhängendem Fett, Cellulite und zu enger Kleidung könne beim Betrachter zu einem negativen Selbtwertgefühl führen. Stattdessen empfehle Facebook ein Foto zu nehmen, das eine Aktivität abbilde, wie z.B. Laufen oder Fahrradfahren.

Die Organisation, die die Werbeanzeige online nahm, reagierte recht witzig, indem sie die Anzeige mit einer deutlich übergewichtigen, durchs Bild radelnden Frau erneut postete. Aber ehrlich: Ich kann der Sache nichts Heiteres abgewinnen. Und das nicht nur deswegen, weil ich den größten Teil meines Lebens unter meinen (oft auch eingebildeten) Gewichtsproblemen gelitten habe. Ich habe jahrelang gehungert, Kalorien gezählt, habe in Summe vermutlich Wochen meines Lebens auf dem Klo verbracht, um Essen wieder hochzuwürgen, war deswegen in Behandlung, habe Kleidergrößen 36 bis 52 getragen und mich fast ausschließlich über mein Aussehen definiert. Oder eher: Ich habe einen Mangel daraus abgeleitet, dass mein Körper oft nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprach. Spricht das für ein gutes Selbstwertgefühl???

Liebes Facebook-Team: Hätte ich Bilder von Tess Holliday in meiner Jugend gesehen, wäre mir vielleicht manches erspart geblieben. Es tut mir sogar ausgesprochen gut, mal keine Frau zu sehen, die die bessere Hälfte meiner Figur sein könnte und mir zu suggerieren scheint, ich gehöre einer Randgruppe an. Was ich Sie an dieser Stelle übrigens mal fragen möchte: Wie kommt es, dass Sie Bilder dicker Frauen von Ihrer Website entfernen, aber nicht Hetzparolen gegen Ausländer, Kommentare zum F*…en von Frauen, damit sie wieder normal würden, Videos tanzender Männer mit wabbligem, unbekleidetem Bauch?? Glauben Sie, DAS sei gut für mein Selbstwertgefühl???

Natürlich bewegt mich der Vorfall wegen meiner eigenen Geschichte, aber auch, weil ich dahinter einen zunehmenden „Schönheits- und Gesundheitsfaschismus“ sehe. Andersartigkeit wird als Bedrohung wahrgenommen, Angleichung als Ziel. Das gilt auch für andere Aspekte der Persönlichkeit und geht über die Wunschvorstellung, wie man auszusehen hat, weit hinaus. Ich finde das schlimm.

Es gibt einen wunderschönen kleinen Film, den ich gern mit Ihnen teilen möchte. Was glauben Sie, wie die Menschen reagieren, wenn man Ihnen sagt, sie seien schön? Schauen Sie bitte selbst:

You are beautiful – Du bist schön!

Wie würden Sie reagieren, wenn ich Ihnen sagte, Sie seien schön? Würden Sie sich freuen? Würden Sie mir widersprechen und mich auf Ihre Mängel aufmerksam machen? Oder mir sagen: „Ich mag meine Augen – meine Haare – meine Hände – mein Tattoo – meine schmalen Fußknöchel …“. Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass Fremde Sie oftmals liebevoller bewerten, als Sie sich selbst? Gut, das Facebook-Team wohl eher nicht. Seien Sie bitte vorsichtig, welche Bilder Sie von sich ins Netz stellen. Werden Sie bitte auch nicht alt oder dokumentieren Sie das wenigstens nicht. Falten könnten anderen ein schlechtes Selbstwertgefühl vermitteln … 😉

Ich glaube, dass jeder Mensch etwas Schönes an und in sich hat. Wenn wir es nicht sofort sehen, ist es vielleicht durch negative Erfahrungen verschüttet. Oder man hat uns eingeredet, wir seien hässlich oder dumm, und nun glauben wir selbst daran.

In der Philosophie von Louise Hay gibt es als wesentlichen Baustein zur Selbstannahme, die Spiegelarbeit. Man lernt dort, sich im Spiegel anzusehen und zu sagen: „Ich liebe dich!“ Ich weiß, was Sie denken. Es kam mir zunächst auch seltsam, nahezu absurd, vor, mir das zu sagen. Ich versuchte es dann mit: „Ich bin bereit, mich anzunehmen, wie ich bin.“ Das ging besser. Und je öfter ich das machte, umso selbstverständlicher wurde es. Heute kann ich mir im Spiegel sagen, dass ich mich liebe. Und je mehr ich mich selbst akzeptiere, umso leichter fällt es mir, andere Menschen anzunehmen.

Es macht schön, sich zu mögen. Selbstliebe ist kein Akt der Resignation (wenn keiner mich liebt, mach ich das eben), sondern der Wertschätzung und Dankbarkeit für die Möglichkeit, dieses Leben zu haben und nach seinen eigenen Vorstellungen zu führen. Egal, ob man dem gerade angesagten Trend entspricht. Ihm hinterherzujagen, macht nicht glücklich. (Zumal es morgen ein anderer sein kann.) Man selbst zu sein, hingegen schon. Gehen Sie doch mal zum Spiegel …

Move Your Life!

Foto: Cherchez la Femme

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