Kennen Sie das? Keine Zeit! Keine Zeit für ein Gespräch, keine Zeit zum Ausruhen, keine für das geliebte Hobby, für die dringend notwendige sportliche Betätigung, keine Zeit für … sich selbst. Wann haben Sie das letzte Mal trotz aufgestauter Arbeitsbelastung einfach alles beiseite gelegt und sich eine Auszeit von Ihrem Stress genommen?

Zeit scheint ein knappes Gut geworden zu sein. Etwas, das sich (zu) schnell verbraucht und im Ergebnis dazu führt, dass wir in einem Mangelzustand leben. Wir sind ständig gehetzt, nie zufrieden mit uns und anderen. Menschen mit Herzproblemen, mit neurologisch bedingten Stresserscheinungen und Burn-Out-Belastete rücken immer stärker in unseren Fokus – manchmal auch deswegen, weil wir selbst zu ihnen gehören.

Lassen Sie uns das Problem mit der Zeit, mit dem wir alle konfrontiert sind, eingehender betrachten. Wie ungezählte Millionen anderer vielbeschäftigter Menschen haben Sie sich zum Thema Zeit bestimmt schon so manche Gedanken gemacht. Haben Sie sich schon mal mit einem Zeitmanagementsystem beschäftigt? Einen Kurs besucht? Anfangs klappte es sicher ganz gut, Sie empfanden eine Art Befreiung, aber irgendwann fühlten Sie sich doch wieder von Ihrem Terminkalender beengt und eingeschnürt, unerwartete Ereignisse warfen Ihre Planung über den Haufen und Ihre Anspannung war größer als zuvor. Und mit ihr der Zeitdruck.

Vielleicht haben Sie sich dann noch mit Schuldgefühlen belastet, weil Sie nicht mal in der Lage waren, eine einfache Zeitorganisation einzuhalten? Sie müssen deswegen kein schlechtes Gewissen haben. Schließlich befinden Sie sich in guter Gesellschaft (in meiner zum Beispiel 😊). Ich kenne so etwas auch, aber ich versuche immer wieder, mich an die Einstein-Zeit zu erinnern.

Haben Sie schon einmal etwas von ihr gehört? Bevor ich Sie mit ihr bekanntmache, muss ich Sie allerdings noch kurz in die Newtonsche Zeit entführen, damit Sie auch den Unterschied zwischen beiden verstehen. Die Newtonsche Zeit ist das Modell, nach der Sie und ich, und die meisten Menschen der westlichen Welt, gewohnt sind zu leben:

Nach ihr ist lediglich ein begrenztes Maß an Zeit vorhanden, das sorgsam eingeteilt werden muss, damit wir die anstehenden Erledigungen tatsächlich bewältigen können. Sie geht davon aus, dass die Zeit knapp ist, was in uns das höchst unbehagliche Gefühl eines Zeitdrucks hervorruft. Das liegt vor allem daran, dass wir die Zeit als etwas verstehen, das außerhalb von uns ist, als eine gewisse „Menge“, die immer weniger wird. Anders Einstein: mit der Relativitätstheorie hat er quasi der Zeit Raum gegeben.

Einstein soll die Relativität einmal salopp folgendermaßen erklärt haben: „Eine Stunde, die Sie mit einem Mädchen verbringen, in das Sie verliebt sind, vergeht wie eine Minute; hingegen scheint eine Minute auf einem heißen Ofen eine Stunde zu dauern.“ Darin ist eigentlich schon alles enthalten, was man braucht, um die Einstein-Zeit zu verstehen. Wenn Sie nämlich auf einem heißen Ofen sitzen, bemühen Sie sich mit all Ihrer Energie, nicht den Raum einzunehmen, in dem Sie sich gerade aufhalten. In Ihrem Bewusstsein ziehen Sie sich ganz nach innen zurück, entziehen sich dem Schmerz, den der Kontakt mit der Platte Ihnen bereitet. Diese Einengung des Bewusstseins lässt die Zeit gewissermaßen einfrieren und dauert daher gefühlt ewig.

Sind Sie hingegen mit einem geliebten Menschen zusammen, strömt Ihr Bewusstsein in die entgegengesetzte Richtung, nach außen hin, in den Raum. Jede Zelle Ihres Körpers hat den Wunsch, diesem Menschen nahe zu sein, Ihre Poren scheinen sich zu öffnen und in den Raum zu erweitern. Dies kann auch geschehen, wenn man einer geliebten Tätigkeit nachgeht, einem Hobby vielleicht oder in der Natur ist. Wir sind dann ganz offen, erweitern uns in den Raum, unsere Sinne sind auf Empfang. Wir fühlen uns „rund“.

Ok, was heißt das nun für Sie? Sollen Sie Ihre Zeit nur noch mit geliebten Menschen und Tätigkeiten verbringen, die Ihnen Freude machen? Ja, genau das sollten Sie, wenn Sie sich als Herr/in Ihrer Zeit fühlen möchten und nicht als ihr Sklave.

Wenn Sie sich nämlich mit Themen beschäftigen, die Ihnen gut tun und mit Menschen, die Ihnen etwas bedeuten öffnen Sie sich dem Leben. Füllen Sie Ihre Zeit hingegen mit Personen und Tätigkeiten, die Ihnen zuwider sind, sorgt dieser Widerstand dafür, dass Sie keine Kontrolle über Ihr Leben empfinden. Sie fühlen sich gehetzt, von Termin zu Termin an unterschiedliche Orte getrieben – nur nicht an den, an dem Sie gern sein möchten. Die Zeit entgleitet Ihnen, Sie fühlen sich als ihr Opfer.

Ich weiß, was Sie sagen wollen. Ich sehe Ihre gerunzelte Stirn, bei einigen von Ihnen sogar Zweifel, das Gesicht zur Faust geballt. Es ist mir klar, dass man sein gewohntes Leben nicht von einem Tag auf den anderen ändern kann. Verpflichtungen sind zu erfüllen. Aber vielleicht reichen ja schon ein paar Stellstrauben an Ihrer Zeit-Einstellung. Beginnen Sie doch mal mit einer Zeit-Diät!

Enthalten Sie sich vollständig jeder Art von Klage über die Zeit. Dieser beherzte Schritt holt Sie aus der Opferrolle ihr gegenüber heraus. Schenken Sie diese Woche den Gesprächen in Ihrem Umfeld besondere Aufmerksamkeit. Achten Sie darauf, wie häufig Ihnen ähnliche Aussagen zu Ohren kommen:

„Ich wünschte, ich hätte genug Zeit, noch ein wenig bei Ihnen zu bleiben, um mit Ihnen zu plaudern. Aber leider bin ich furchtbar in Eile.“ – „Wo ist bloß die Zeit geblieben?“ – „Der Tag hat einfach nicht genügend Stunden.“ – „Hätte ich doch bloß eine Stunde mehr Schlaf haben können.“ – „Ich würde mich ja so gern mit Ihnen unterhalten, aber ich bin gerade auf dem Sprung …“ – „Ich muss unbedingt noch zur Bank gehen …“ – „Im Moment habe ich dafür leider keine Zeit.“

Jede dieser Aussagen ist eine offene oder verdeckte Klage über die Zeit und kennzeichnet die sprechende Person – oder Sie selbst – als deren Opfer. Jeder Satz verfährt mit der Zeit wie mit einem knapp bemessenen Gut – und vermittelt zugleich die Vorstellung, sie sei irgendwo „da draußen“ und gehöre nicht uns. Wie wir nun wissen, ist dem nicht so. Ist das nicht erleichternd?

Wenn Sie wieder einmal den Eindruck haben, wie ein Hamster im Zeitrad zu rotieren, machen Sie sich einfach klar, dass Sie gerade Dinge tun, die Sie nicht wollen. Und das man das (selbstverständlich auch behutsam) ändern kann. Aber anfangen müssen Sie schon! Keine Zeit zu haben ist heute irgendwie nicht mehr zeitgemäß …

Move Your Life!

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