Ja, Sie auch! 🙂 Ist es nicht ein schönes GefĂŒhl, so genannt zu werden? Wenn wir UnterstĂŒtzung erfahren – meist gĂ€nzlich unerwartet – liebevoll, uneigennĂŒtzig und unterstĂŒtzend – dann kommt uns dieser Ausspruch direkt aus dem Herzen. Manchmal wird ein Fremder fĂŒr uns zum Engel, wenn sein Verhalten unser Leben verschönert. Uns geht das Herz auf vor Freude, wir lĂ€cheln, sind dankbar und im Laufe des Tages wandern unsere Gedanken zurĂŒck zu diesem schönen Ereignis. Sollten Sie Facebook-Nutzer sein, empfehle ich Ihnen den Post eines jungen Mannes (vom 29.3.16): Sie sehen darin, wie er andere, fremde Menschen glĂŒcklich macht. Das Video beginnt mit den Worten: „Share happiness and be the reason someone smiles today 
“ (Teilen Sie GlĂŒck und seien Sie der Grund, dass jemand heute lĂ€chelt“). Eine wunderbare Anregung, wenn Sie wie ein Engel wirken möchten.

Mir scheint es, als rĂŒckten Engel  immer mehr als „reale“ Option in unser Bewusstsein. Aber vielleicht geht es auch nur mir so. Bis vor wenigen Jahren hab ich mich gar nicht mit Engeln beschĂ€ftigt. Zwar sah ich sie in Kirchen, auf GrĂ€bern, in BilderbĂŒchern, las ĂŒber sie oder sah sie in ÜberfĂŒlle zur Weihnachtszeit. Aber dass sie „mehr“ als eine Symbolfigur sein könnten, kam mir nicht wirklich in den Sinn.

Den Anstoß, mich mit Engeln nĂ€her zu beschĂ€ftigen, bekam ich vor einigen Jahren wĂ€hrend einer mich sehr belastenden Situation. Eine Chorschwester sagte zu mir: „Bitte doch die Engel dir beizustehen.“ Ich wusste zunĂ€chst nicht viel damit anzufangen und schĂ€mte mich dafĂŒr, dass ich ihren liebevollen Wunsch sogar ein wenig albern fand. Aber irgendwie ließ mich das Thema nicht los und ich fragte mich, warum ich solchen Widerstand gegen die Vorstellung hatte, Engel könnten existent sein.

Ich versuchte, meine Vorbehalte zu ergrĂŒnden, googelte viel und las eine Menge BĂŒcher. Langsam wurde mir klar, dass ich mir mit meinen Gedanken zu Engeln selbst im Weg stand. Tief in mir drinnen hatte ich die gĂ€ngigen Bilder von Engeln im Kopf, puttenĂ€hnlich, eigentlich mit zu kleinen FlĂŒgeln fĂŒr den pummligen Körper ausgestattet oder Ă€therisch schlank mit riesigen FlĂŒgeln. Manche Bilder fand ich sehr kitschig und ich konnte mich mit dieser Art des Engelkults nicht identifizieren.

Ein sehr bekanntes Engel-Medium unserer Zeit ist Kyle Gray, ein junger schottischer Mann, der auch schon diverse BĂŒcher geschrieben hat. Ich hatte das GlĂŒck, ihn in einem Vortrag zu erleben und was mich wirklich faszinierte war, dass er völlig anders aussah, als man es normalerweise von einem Medium erwartet: mĂ€nnlich, jung, modern, tĂ€towiert, flippig, sehr fröhlich, gern mal ein Bier trinkend – und das in Kombination mit einer offenen, warmherzigen, dem Spirituellen und dem Zuhörer sehr zugewandten Art.

Er sagt: „Die Wahrheit ist, niemand kann beweisen, dass Engel existieren – es ist etwas, das Sie fĂŒr sich entscheiden mĂŒssen. Es ist Ihre Sache, ob Sie sich dem Gedanken öffnen möchten oder nicht. Aber wenn Sie es tun, werden Sie Anzeichen dafĂŒr in Ihrem Leben finden.“

Mir gefĂ€llt seine Einstellung, denn er verurteilt Menschen nicht, die an Engel nicht glauben können (was wir ja oft tun, wenn jemand nicht unsere Meinung teilt). An sie richtet er die Empfehlung, sie sich nicht unbedingt als die Wesen vorzustellen, die wir aus Überlieferungen kennen, sondern als reine Energie. Kyle glaubt, dass die ersten Menschen mit Engelerfahrungen diese mit FlĂŒgeln und Heiligenschein abbildeten, um deutlich zu machen, dass Engel schnell wie der Wind und pure, leuchtende Energie seien. Und sie gaben ihnen die Gestalt eines Menschen, um ihnen eine bekannte Form zu geben. Ich finde diese ErklĂ€rung ĂŒberzeugend und sie half mir, mich stĂ€rker der Engelidee zu öffnen. So fiel es mir dann leicht, eine Ausnahmesituation in meinem Leben, fĂŒr die ich bis dahin keine Beschreibung hatte, meinem Schutzengel und denen meiner Familie zuzuschreiben.

Die Jungs waren damals gerade vier Jahre alt und wir waren mit ihnen im SĂŒden im Urlaub. Es geschahen gleich mehrere Dinge, die nur durch eine „glĂŒckliche FĂŒgung“ nicht furchtbar endeten:  Ich wĂ€re beinah von vier wild gewordenen Hunden beim Joggen angefallen worden, hĂ€tte nicht ein mir fremder Hund mich plötzlich verteidigt und im Anschluss nach Hause begleitet. Yannik fiel als Nichtschwimmer in einen Pool, ging wortlos unter, was, Gott sei Dank, von meinem Mann beobachtet wurde, der ihn rettete. Karim erstickte beinah an einem Lolli (gleich mehr dazu). Aufgrund einer ungesicherten Baustelle an einer Kirchentreppe, hĂ€tten die Jungs auf die darunter liegenden Meeresklippen stĂŒrzen können, hĂ€tten wir nicht schnell genug zugegriffen und zu guter Letzt sind wir auf der RĂŒckfahrt in Deutschland in einen furchtbaren Sturm geraten. Mein Mann nahm eine Abzweigung von der Autobahn und spĂ€ter erfuhren wir, dass dort herumfliegende BĂ€ume und Zweige erhebliche UnfĂ€lle verursacht hatten. Wieder zuhause war uns klar, dass jemand seine schĂŒtzende Hand ĂŒber uns gehalten hatte. Und ganz besonders ĂŒber Karim:

Ein sehr netter Tankwart in Spanien schenkte unseren Jungs je einen Lolli. Angekommen im Hotelzimmer durften sie ihn haben und begeistert machten sie sich darĂŒber her. „Knack“, machte es und im gleichen Augenblick wollte Karim mir etwas sagen. Dabei verschluckte er sich an Teilen des zerkauten Lollis und seine Augen weiteten sich. Als begeisterte Hobbykrankenschwester nahm ich sofort alle mir gĂ€ngigen Methoden zu Hilfe: KrĂ€ftiger Schlag zwischen die SchulterblĂ€tter, vornĂŒber beugen, Heimlich-Manöver – nichts half. Karims Augen waren riesig vor Angst, dennoch voller Vertrauen, seine Lippen wurden blau, er konnte nicht atmen. Ich wusste, es blieb nicht viel Zeit. Wir waren in einem kleinen Kaff in Spanien, wann wohl ein Krankenwagen kĂ€me? Ich war verzweifelt und ich dachte: „Gott, bitte hilf mir, was soll ich tun?“ So viel Inbrunst hatte ich noch nie empfunden, nie ene derartig intensive Bitte zu Gott geschickt. Sofort hörte ich eine klare, deutliche Stimme an meinem Ohr: „Steck ihm den Finger in den Hals.“ „Was?“, ich war irritiert. „Steck – ihm- den – Finger – in – den – Hals.“ Die Stimme war langsam, ĂŒberdeutlich, klar und unmissverstĂ€ndlich – ein freundlicher Befehl. Ich tat es, fasste in Karims Hals und ergriff ein scharfes StĂŒck Lolli, dass die Atmung behinderte. Ich zog und hörte ein GerĂ€usch, das ich in meinem ganzen Leben nicht vergessen werde: „Hoachhhhhhh“, schwer, wie aus der Tiefe des Bodens kommend. Karims Gesicht nahm Farbe an und nach einiger Zeit konnte er wieder richtig Luft holen. FĂŒr ihn war es ein so eindrĂŒckliches Erlebnis, dass er heute noch fast in Panik gerĂ€t, wenn einer von uns sich nur minimal verschluckt.

Und fĂŒr uns anderen? Wir alle waren unendlich dankbar fĂŒr die Rettung Karims. Übrigens hatte niemand außer mir diese Stimme gehört. FĂŒr mich hatte sich mit diesem Erlebnis etwas ganz Entscheidendes verĂ€ndert. Ich akzeptierte von da an eine höhere, helfende Instanz in meinem Leben, die ich heute ohne kitschiges GefĂŒhl Engel nenne. Ich sehe keine und bin mir ihrer Gegenwart doch bewusst.

Man sagt, Engel sind die liebenden Gedanken Gottes. Und ich bin mir sicher, dass auch Sie sie hören, wenn Sie es sich und ihnen nur erlauben.

Move Your Life!

4 Kommentare
  1. Sarah
    Sarah sagte:

    Wie immer hast du auch hier wieder einen wundervollen Text geschrieben, der mich an unser Erlebnis mit Emily erinnert, als sie ebenfalls fast an einem Teil eines Lollies erstickte. Zum GlĂŒck halfen damals die krĂ€ftigen SchlĂ€ge zwischen die SchulterblĂ€tter und das KopfĂŒberhalten an ihren Beinchen. Ein Erlebnis, das man wohl nie vergessen wird.

    Ich sehe Engel eher im Wesen eines Menschen. Nur sehr wenige sind mir bislang begegnet, aber dafĂŒr ist dieser Moment, in dem es einem deutlich wird, wahnsinnig intensiv. Es durchströmt mich dabei ein wunderbares GefĂŒhl von GlĂŒck, Vertrauen und Dankbarkeit und verstĂ€rkt den Glauben an die „Menschlichkeit“.

  2. Manuela Luther
    Manuela Luther sagte:

    Liebe Sarah, ja, du hast so recht, so ein Erlebnis vergisst man nicht. Gott sei Dank, ging alles gut aus!!
    Menschliche Engel kenne ich auch – sie erinnern uns daran, wer wir im tiefsten Inneren sind …
    Viele liebe GrĂŒĂŸe, Manu

  3. Astrid Braband
    Astrid Braband sagte:

    Wirklich wunderschön geschrieben, der Text geht unter die Haut. Auch ich hatte in meinem Leben schon oft Momente, in denen ich genau wusste, dass eine schĂŒtzende Hand ĂŒber meiner Familie und mir lag und liegt. Wenn jemand aus meiner Familie auf Reisen geht, schicke ich ihm noch heute „meinen kleinen Schutzengel“ mit. Es ist wahrscheinlich sehr individuell, wie ein jeder sich einen Engel vorstellt, wichtig ist zu spĂŒren, dass es eine stĂ€rkere, liebevolle und beschĂŒtzende Kraft gibt, die auf die Menschen, die man liebt und mag, aufpasst. Ich bin ĂŒberglĂŒcklich, gleich zwei Engel zu haben: Meine wunderbaren Töchter!

  4. Manuela Luther
    Manuela Luther sagte:

    Liebe Frau Braband, ich danke Ihnen ganz herzlich fĂŒr diesen liebevollen Kommentar. Ihre Töchter haben mit Ihnen auch einen Engel in ihrem Leben!! Diese schĂŒtzende Hand, von der Sie schreiben, im Leben zu wissen ist so tröstlich und ich freue mich fĂŒr jeden, der so empfinden kann. Ganz herzliche GrĂŒĂŸe, Manuela Luther

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