Vor einigen Tagen postete eine Freundin ein Video auf Facebook, das mich mitten ins Herz traf. Zu sehen war die Poetry-Slammerin Julia Engelmann, die ein Gedicht über das Leben vortrug. Es begann mit den Worten:

„Eines Tages, Baby, werden wir alt sein und an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können.“ Julias Jugend war so offensichtlich, dass ich mich automatisch mit ihr verglich. In Gedanken formulierte ich um: „Es dauert nicht mehr lange, Baby, da werden wir alt sein und an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können.“

Ich hörte: „Und ich denke zu viel nach. Ich warte zu viel ab, ich nehme mir zu viel vor und ich mach davon zu wenig. Ich halte mich zu oft zurück. Ich zweifel zu viel an. Ich würde gerne so Vieles sagen, aber bleibe meistens still, denn wenn ich alles sagen würde, wäre das viel zu viel. Ich würde gern so Vieles tun. Meine Liste ist so lang und ich werde sie eh nicht schaffen, deswegen fange ich gar nicht erst an.“

Als ich das Video sah, saß ich im Auto am Flughafen und warte auf die Ankunft meines Mannes. Ich fühlte mich ein wenig wie betäubt, denn obwohl ich versuche, mein Leben so intensiv wie möglich zu leben, bin ich mir doch bewusst, wie viel von meiner Wunschliste ich dann doch nicht lebe, aus dem größenwahnsinnigen Gedanken der Unsterblichkeit heraus … aus Angst … wovor??

Julia sagte: „Mein Leben ist ein Wartezimmer. Niemand ruft mich auf. Mein Dopamin spar ich mir auf, falls ich es mal brauchen werde. Und eines Tages, Baby, werde ich alt sein und an all die Geschichten denken,  die hätte erzählen können. Und du?“

Ja, und ich? Ich wusste dass Julia jemand anderen meinte und dennoch fühlte ich mich angesprochen. Und ich?? … ICH???

Ihre Stimme kroch in mein Bewusstsein: „Warum sollen wir was riskieren? Wir wollen doch keine Fehler machen, wollen doch nichts verlieren und es bleibt doch so viel zu tun!

Unsere Listen bleiben lang und so geht jeder Tag ins unbekannte Land. Und ich sag mir, ach, das mache ich später, ich bin ja noch jung.“ … „ und eines Tages werden wir alt sein. Wir werden sagen: einmal hätte ich fast … Wir hätten uns fast demaskiert und uns gesagt was wir uns bedeuten.“ …

Ich hatte einen Kloß im Hals. Ich habe so viele wunderbare Menschen in meinem Leben. Ich versuche ihnen immer zu zeigen, wie wichtig sie mir sind. Ich hoffe, ich mache es deutlich genug. Denn das zählt wirklich. Und die Dinge zu TUN, die man machen möchte und nicht nur davon zu reden.

Die Nachricht aus dem Video vermischte sich mit meinen Gedanken: Wir dürfen nicht zögern, die Masken abzunehmen und die Konjunktive sein zu lassen: ich wollte, ich könnte, ich sollte, ich wünschte …

Wir haben nichts zu verlieren, denn das Leben, das wir leben wollen, können wir selbst wählen. Wir können es mitgestalten. Unsere innere Kompassnadel zeigt, was gut für uns ist.

Also los: Lasst uns Geschichten schreiben, die wir uns erzählen wollen, wenn wir alt sind – und nicht erst dann, sondern jetzt – die prall gefüllt sind mit Leben und Liebe.

Move Your Life!

 

Foto: concept w/Shutterstock.com

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