Move Your Life

… nicht getan zu haben, wenn du nur noch kurze Zeit zu leben hättest? Diese Frage wurde mir und anderen Teilnehmern vor ein paar Jahren im Rahmen der ehrenamtlichen Ausbildung im Ricam Hospiz gestellt und diese Frage stellte ich den Zuhörern der Klaviererzählung „L(i)ebe“ am 18. Februar. Die war übrigens wundervoll, bewegend und aufrüttelnd. Es gibt sicher eine Wiederholung, denn man kann sich gar nicht oft genug daran erinnern, wie wichtig es ist, das Leben anzunehmen, es auszukosten und zu genießen – und generell immer wieder neu zu justieren, WAS überhaupt wichtig ist!

Ich hatte damals eine sehr spontane Eingebung, die im weiteren Verlauf meines Lebens viele Wellen schlug. So, wie ein kleiner Kiesel, einmal in den See geworfen, ganz große Kreisen ziehen kann. Getragen von dem Wissen, dass ich, Gott sei Dank, nicht sterbenskrank bin, mir alle Türen offen stehen, hab ich meinen Wunsch schnellstmöglich umgesetzt und freue mich seitdem an seiner lebensverändernden Kraft. Gerade deswegen habe ich diese Frage auch anderen gestellt:

Was würdet du bereuen, nicht getan zu haben, wenn du wüsstest, du hättest nicht mehr lange zu leben? Hier ein paar der Antworten, die ich erhalten habe:

 

Gisela, 67 Jahre:

Ich bereue jetzt schon, niemals meinen Beruf ausgeübt zu haben. Es war in meiner Jugend nicht so üblich arbeiten zu gehen. Wir Frauen haben einen Mann gesucht, eine Familie gegründet und waren damals überwiegend für die Familie da. Die Kinder gingen allem vor. Ich bin zwischendurch mal arbeiten gegangen, das hat mich aber auch sehr erschöpft. Mein Mann fand das auch nicht gut und hat mir gesagt, ich soll lieber zuhause bleiben. Das hab ich auch gern gemacht. Trotzdem war ich immer traurig, dass ich nicht auch Anschluss an andere gefunden habe. Ich war doch recht isoliert. Meine Kinder sind schon lange aus dem Haus. Mein Mann ist viel älter und ist am liebsten zuhause. Ich möchte aber tanzen, weggehen, Neues erleben. Ich kenne aber nur wenige Menschen und ich weiß auch nicht so, wie ich neue kennenlernen kann. Und meine Rente ist klein. Ich fühle mich manchmal wie lebendig begraben. Wäre ich arbeiten gegangen, wäre ich vermutlich viel selbständiger und hätte mehr Kontakte. Und natürlich hätte ich auch mehr Geld.

 

Max, 18 Jahre:

Ich bin sehr jung. Ich hab eigentlich noch nicht richtig gelebt, aber ich habe schon viel erlebt. Wenn ich jetzt bald sterben würde, hätte ich das meiste noch nicht gemacht, was ich mir vorgenommen habe. Das wäre doof. Aber ich würde es auch nicht bereuen. Vielleicht würde es mir ja gar nicht gefallen und mir bliebe Einiges erspart. Ich hab immer alles gemacht, worauf ich Bock hatte. Und das will ich auch so weitermachen. Ich hoffe, ich lebe noch lange, aber es muss auch cool sein.

 

Melanie, 49 Jahre:

Ich bedauere, dass ich immer nur gearbeitet habe – bloß keine feste Bindung, keine Kinder. Jetzt mit 49 werde ich auch keine eigenen Kinder mehr haben. Das bedrückt mich sehr. Auch, wenn ich ein schönes Leben habe, ich kann mir echt viel leisten. Aber ich muss auch immer ranklotzen, damit ich den Standard halten kann. Ich arbeite als Vertreterin, reise viel, muss immer tipptopp aussehen. Ich wohne in den tollsten Hotels. Meistens versuche ich, über mein Leben nicht nachzudenken.

 

Renée, 53 Jahre:

An dem Abend vor 32 Jahren hätte ich mich nicht einfach mit den Worten „Man sieht sich“ von Jürgen verabschieden sollen. Es war mehr drin. Ich war blöd.

 

Petra, 54 Jahre:

Ich bedauere, dass ich so lange bei meinem Mann geblieben bin. Ich hatte Angst vor dem Alleinsein und habe Vieles einfach mitgemacht. Es war einfacher, als eine eigene Meinung zu haben. Auch nachdem die Kinder groß waren. Und weißt du, was lustig ist? Ich blieb und mein Mann ging dann. Er wollte mehr erleben. Zuerst war ich zutiefst deprimiert, fühlte mich einsam und abgelehnt. Ich war extrem sauer auf ihn. Viele bedauerten mich für meine Situation, das tat mir gut und ich hab mich damit wohlgefühlt. Bis es mir zu langweilig wurde. Ich hab dann erstmal Kurse an der Volkshochschule gemacht, alles was mich interessierte: Kunst, Handwerk, Geschichte. Dann bin ich über ein ehrenamtliches Projekt als Vorleserin an einer Grundschule an eine Minijob-Stelle als Hausaufgabenhilfe gekommen. Und jetzt betreue ich Kinder in einem Hort. Ich bin einfach nur glücklich und frage mich, was aus meinem Leben geworden wäre, wenn ich es früher angepackt hätte. Aber heulen nutzt ja nichts und jetzt ist es gut.

 

 

Marion, 44:

Ich bereue, dass ich der Einladung des netten Franzosen auf eine Tasse Kaffee nicht nachgekommen bin. Noch heute weiß ich, er hatte tolle braune Augen, die mich anlachten. Dabei war ich 17 und ich erinnere mich, er hieß „Michel“. Er war ungefähr zehn Jahre älter und das hat mich irgendwie eingeschüchtert. Noch Wochen später bin ich die Straße auf und ab gelaufen, in der Hoffnung, ihn noch mal wiederzusehen. Ich hätte ihn dann sofort selbst auf einen Kaffee eingeladen. Heute versuche ich, nicht mehr so ängstlich zu sein und öfter „ja“ zu sagen, wenn mich etwas überrascht. Was soll schon passieren?

 

Björn, bald 50:

Ich bereue eigentlich nichts und würde das meiste wieder so machen. Aber mir fällt auf, dass ich oft nur rede und nichts tue. Das will ich ändern – das MUSS ich ändern. Die Zeit läuft!

 

Was würdet du bereuen, nicht getan zu haben, wenn du wüsstest, du hättest nicht mehr lange zu leben? Warum tust du es nicht einfach?? Jetzt??? Es ist dein Leben.

Move Your Life!

 

Foto: Shutterstock.com/Olesia Bilkei

2 Kommentare
  1. Timo
    Timo sagte:

    Ich lebe meine Träume, es wird keine Situation geben das ich im Sterbebett liege und mir denken muss, Was wäre Wenn…ich das und das gemacht hätte

    Die meisten hier wissen das Leben garnicht zu schätzen, hirschen tag täglich jedem Euro hinterher und fragen sich dann….was hab ich mein ganzes Leben den großartiges gemacht oder geleistet. Ja dann ist es zu spät.

    Die wertvollsten Güter die unbezahlbar sind die wir haben sind: Zeit, Gesundheit und Freiheit

  2. Manuela Luther
    Manuela Luther sagte:

    Hallo, Timo, danke, für deinen Beitrag! Ich denke, viele Menschen haben Angst, etwas anders zu machen, weil sie fürchten, dann außerhalb zu stehen. Und es kostet ja auch Mut, manchmal auch Kraft, sich für sich zu entscheiden. Ich freu mich, dass du es machst und damit zeigst, dass es möglich ist. Liebe Grüße ☀️

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