Move Your Life

Diese Woche waren mein Mann und ich bei der Show „Im Herzen jung“ von Oliver Welke und Dietmar Wischmeyer und freuten uns auf einen Abend voller Heiterkeit und Lachen. Ja, gelacht haben wir schon, besonders heiter fanden wir das Programm allerdings nicht. „Im Herzen jung“ wirkten die beiden eher nicht, sondern mehr wie verschreckte Kinder, die ihr Grauen vorm Altern in derb-drastische Witzeleien kleideten und mit gemeinsamem Gesang den Anschein erweckten: „Wir haben keine Angst“ 😉

Nicht dass ihr denkt, ich sei überempfindlich, was vulgäre Scherze angeht. Bin ich nicht. Aus Kindheitstagen ist mir Kneipenjargon gut vertraut, denn meine Eltern nahmen uns Kinder zu ihren Kneipenbesuchen bei Bekannten immer mit. Daher macht mir grober Humor keine Angst und ich kann auch entsprechend kontern – allerdings finde ich es doch ermüdend, zweieinhalb Stunden nahezu nur mit Obszönitäten zu verbringen. Hätte man das Programm mit „Blieps“ überblendet, wäre das  dann ungefähr so gewesen:

„Na, Oliver, wenn du mit deinem „Bliep“ mit deiner Frau, deren Gesicht aussieht wie „Bliep, Bliep, Bliep“  alle Jahre mal „Bliiiiiiiep“, dann musste dich nicht wundern, wenn „Bliep“.“ „Tu ich gar nicht, Dietmar, ich wunder mich nur, dass du, in deinem Alter, „Bliep, Bliep, Bliep“ denkst, wo du doch „Bliep“ bist und dann sowieso die „Bliep“ zumachst“. Zweieinhalb Stunden! Hm.

 

An diese Stelle passt einer meiner Lieblingssketche mit Martina Hill, so ähnlich ging´s mir an besagtem Abend öfter:

Kennt ihr den? Herrlich, oder? Ich könnte mich immer wieder weglachen darüber (hab ich gerade 😀 ). Wenn euch der gefällt, googelt mal „Martina Hill Lauch“ oder „Martina Hill Katze“. Ehrlich, die heitern mich immer wieder auf.

 

Und dieser hier, ist einfach auch nur köstlich, hilft bei mir ebenfalls immer:

So, ich hoffe, es geht euch nun gut oder mindestens besser als vorhin? Wunderbar. Eine gute Voraussetzung, um über das Alter zu sprechen.

 

Seit dem „Comedy“-Abend beschäftigt mich die Frage: Wann ist man denn „im Herzen jung“, wie fühlt man sich da und welche Auswirkungen hat das auf das Leben? Und muss man denn überhaupt jung bleiben?

In meinem Heilpraktikerkurs diskutierten wir neulich die Fragen des Älterwerdens: Alt werden eigentlich nur die anderen, stellten wir fest … bis man an sich auch die einen oder anderen „Ausfallerscheinungen“ bemerkt. Roswitha, eine Yogalehrerin, lächelte leicht schmerzlich und kicherte: „Ich dachte, mir würde nie etwas weh tun und nun zwickt es öfter mal hier und da“, sie zeigte auf´s Knie, dann auf die Schulter.

Wir lachten herzlich und waren sofort mittendrin in der schönsten Selbstbespiegelung: Heute wird man ja ganz anders alt als früher. 50 ist das neue 40, mit 60 legt frau erst richtig los, weil sie weiß, was sie will. Klar, wir werden älter, aber wir haben uns doch gut gehalten, sehen doch meist viel besser aus als früher die Frauen unseres Alters, sind oft gelenkiger, offener, (sich) selbst-bewusster, lustiger als die vielen anderen gleichaltrigen Frauen und, und.

Und was, wenn die das ebenfalls denken?! 😀

 

Ich finde es immer ein wenig schade, dass wir uns so zwanghaft an das Jungsein klammern. Als wäre Jugend das Allheilmittel für alles. Keine Ahnung, wie es bei euch ist, aber meine Jugend war von vielen Ängsten, Unsicherheiten, Kompromissen, Wut und Anpassungsproblemen geprägt. Was soll ich mir da zurückwünschen? Dass ich straffer und manchmal auch schlanker war? Dass ich mehr Alkohol vertragen habe und weniger Schlaf brauchte? Dass ich keine Kinder hatte? Also, ich weiß nicht.

Oft höre ich, dass uns nun immer weniger Zeit zum Leben bliebe. Immer mehr Krankheiten und Einschränkungen würden uns heimsuchen und die letzten Jahre mühselig werden lassen. Ja, rechnerisch stimmt das wohl. Wenn ich mich gut halte und auf mich achte, bleiben mir vielleicht noch 30-40 Jahre. Meinem Mann, der etwas älter ist, vielleicht nur noch 20-30 Jahre. Das ist scheinbar eine Menge weniger an Lebenszeit als noch vor 20 Jahren, das stimmt schon. Aber woher wissen wir denn immer, wie viele Jahre wir überhaupt zur Verfügung haben? Und welche Zipperlein oder Krankheiten uns heimsuchen werden?

 

Es gibt viele junge Menschen, die unvorstellbares Leid erfahren haben und Zeit ihres Lebens ihre traumatischen Erfahrungen verarbeiten müssen. Es gibt Menschen, die früh erkranken und jung sterben. Und es gibt Menschen, die so viel Angst vor dem Tod haben, dass sie sich ihr Leben lang vor ihm fürchten und nie richtig leben. Bei anderen wird die Angst vor ihm in fortgeschrittenem Alter so groß, dass sie ihr Leben quasi einstellen. Manche fallen auch ins andere Extrem und holen rauschhaft alles nach, was in der Jugend nicht möglich war.

Wie wollt ihr es halten?

Meine Entscheidung ist gefallen. Ich will alt werden, aber mit Spaß. Sozusagen „im Herzen jung“ und möglichst auch im Rest des Körpers. Ich stelle mich mutig dem Alter. Ich BIN das Alter. Es ist Zeit für eine neue Superheldin, es ist Zeit für:

 

shutterstock_272587097Wise Witch – Heroine of Maturity

Ausgestattet mit unzähligen Superkräften kämpfe ich für das Gute. Mit der Macht meiner Hitzewallungen bringe ich in Nullkommanichts gefrorene Herzen zum Schmelzen und bereite den Weg für einen Neuanfang. Dank meiner völlig frei rotierenden Hormone kann ich Stürme dramatischer Wut entfesseln und festgefahrene Strukturen zu Staub krementieren. Mein übermenschlicher Optimismus rettet Menschen in Not aus scheinbar aussichtslos scheinenden Situationen. Und mit Hilfe meiner unaufhörlich wachsenden, extremen Superpowerkraft „Intuition“ fühle ich mehr als andere sehen. Meine Waffe ist:

Move Your Life!

 

Foto: Shutterstock.com/RomanYa

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