Move Your Life

Vor wenigen Tagen postete mein Mann auf Facebook einen Auszug aus einem Blog von Felix von Leitner, den ich ausgezeichnet fand und den ich mit Ihnen teilen möchte. Einige meiner Leser sind nicht auf Facebook aktiv, diejenigen, die den Artikel schon kennen, können ja einfach unten weiterlesen 🙂

fefe

Ich finde diesen Blog einfach großartig. Und ich möchte unbedingt einen Satz hervorheben, den man im Kontext vielleicht überliest: „Die Leute, die Scheißjobs „notgedrungen“ annehmen, denen geht es am Ende auch nicht besser“. In der Tat – in meinem direkten Umfeld kenne ich nur wenige Menschen, die mit ihrer Arbeit glücklich sind. Viele teilen ihren Tag noch immer streng zwischen Arbeit und Freizeit ein. Als könnte man nach einem 8-10-Stundentag voller Frust begeistert und unbelastet seinen Herzensangelegenheiten nachgehen. Aber ehrlich, das funktioniert doch nicht! Niemand von uns ist von „9 to 5“ ein anderer Mensch als in seiner Freizeit. Wir sind keine Automaten, die ohne nachzudenken und ohne emotionale Beteiligung ihre Arbeit verrichten. Und dann, Gongschlag 17.00 Uhr, fällt der Griffel und wir springen ins Freizeitglück. Gelingt Ihnen dieser Spagat? Und wie gut?

Es scheint ein seltenes Privilig zu sein, wenn Menschen mit dem, was sie glücklich macht, auch Geld verdienen. Wir werden erzogen, dass wir unsere Pflicht erledigen müssen, von Freude ist dabei selten die Rede. Mir fällt ein Zitat von Fontane ein: „Wir sind auf der Welt, um unsere Pflicht zu tun und zu sterben. Das Wissen um das letzere, erleichtert uns das erste.“ Klingt nach calvinistischer Arbeitsethik und nicht nach einem freudvollen Leben. Aber meiner Ansicht nach ist genau das unser Lebensziel: Ein möglichst gelingendes Leben zu führen.

Fefe schreibt in seinem Blog, dass die Beschränkung auf das Wesentliche ein guter Maßstab dafür ist, wieviel Geld man verdienen muss. Ich sehe das ähnlich. Wie oft geben wir Geld für Dinge aus, die einen nicht wirklich erfreuen, deren Wirkung genauso schnell verfliegen, wie der rauschhafte Zustand, in dem sie „genossen“ werden? Wäre es nicht sinnvoller eine Arbeit zu finden, die sinnvoll ist, einen Mehrwert schafft und uns Freude macht, als dass wir ganz viel Geld verdienen müssen, um den täglichen Frust unserer Arbeit in unserer Freizeit mit ungezügeltem Konsum zu befriedigen?!

Lesen Sie bitte den letzten Absatz des Fefe-Blogs noch einmal ganz in Ruhe. Ich bekam das erste Mal eine Gänsehaut, weil er es so gut auf den Punkt bringt: „Der Druck, Scheißjobs anzunehmen, kommt von uns selbst.“ Genau!! Dahinter stehen Glaubenssätze wie:

„In meinem Alter finde ich nichts Ordentliches mehr.“
„Ich kann froh sein, dass ich diese Arbeit habe.“
„Anderen geht es auch nicht besser.“
„Ich bin zu über- oder unterqualifiziert.“
„Wenn … dann… „
„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“
„Für Erfolg muss man hart arbeiten.“
„Von nichts kommt nichts.“
„Ich habe doch Kinder …“

Meine Berufswahl wurde von den Überzeugungen meiner Eltern beeinflusst:

„Als Frau ist es wichtig, finanziell nicht von einem Mann abhängig zu sein.“
„Ein Studium lohnt sich für eine Frau nicht, wenn sie Kinder hat, war alles umsonst.“
„Als Krankenschwester arbeitest du dich nur kaputt.“
„Mach nichts in brotloser Kunst.“
„Im Kundenservice bist du Anfang vierzig raus, weil du zu unattraktiv bist.“
„Mach was Sicheres.“

Ich war nicht stark genug, meine eigenen Ansichten zu entwickeln und hielt mich daran – ich wurde Beamtin (wenn Sie mehr wissen wollen, lesen Sie meinen Blog vom 22.04.2016). Nach fast sieben Jahren ungeliebter Arbeit kündigte ich. Schwankte die nächsten 25 Jahre beruflich immer wieder zwischen Vernunft, Frust, Pragmatismus und selten wirklicher Begeisterung. Die fand ich eher in meinen nebenberuflichen Engagements und Hobbys oder in der Familie und im Freundeskreis. Und litt dennoch unter der fehlenden Schnittmenge zwischen Arbeit und Freizeit, weil beides autark zu existieren schien.

Bis mir klar wurde, dass nicht die Arbeit das Hindernis auf dem Weg zum Glück ist, sondern ich selbst. Ich nahm die Einteilung zwischen Dienst und Privatleben vor, trennte eines vom anderen, so nach dem Motto „Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps“ und „Das ist nur ein Hobby, davon kann man nicht leben.“

Heute versuche ich, bewusster damit umzugehen und mich als „Lebenskunstwerk“ zu sehen. Man kann seine Arbeit nicht von seiner Persönlichkeit abspalten, sondern ist 24 Stunden man selbst. Sieht man sich als Gestalter seines Lebens, fallen Entscheidungen leichter. Dann trifft man sie nach seinen Wertvorstellungen und Visionen, die man vom Leben hat und weniger unter dem Aspekt des Geldverdienens für die Bezahlung offener Rechnungen. Denn wie Fefe schreibt: „Die Idee, man muss das jetzt machen, sonst ist man morgen pleite, das ist bloß eine Drohkulisse, die man aus Rechtfertigungsdruck sich selbst gegenüber aufbaut. Lernt das zu ignorieren.“

Ich gehe noch weiter: Lernt das zu überwinden und setzt euch Ziele, die euch als Menschen glücklich machen.

Move Your Life!

 

Foto: djmilic/Shutterstock.com

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.